Da übernimmt ein junger Historiker, Ingo Haar, die Datierung einer Rundfunkrede von Hans Rothfels aus dem Bundesarchiv Koblenz, nach der sie im Jahre 1933 gehalten worden sei, und der Berliner Ordinarius Heinrich August Winkler findet heraus, dass die Rede schon im Januar 1930 ausgestrahlt worden war. Im Grunde geht es aber nicht um eine umstrittene Datierung der Rede, sondern um Denken und Wirken des Redners in den dreißiger Jahren.

Haar hatte Rothfels als führenden Vertreter eines "Volkstumskampfs im Osten" dargestellt. Der 1891 geborene Rothfels, hoch dekorierter Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg, hatte in Königsberg einen Kreis von Schülern um sich versammelt, die einen völkischen Ansatz der Geschichtswissenschaft vertraten und auf dieser Basis für den Volkstumskampf eintraten. Rothfels' Position lässt sich durch reiches Quellenmaterial einwandfrei belegen. So betonte er auf dem Göttinger Historikertag 1932, dass die Gründung des polnischen Nationalstaats auf einer lebensfremden Doktrin beruhe, ein, so Haar, deutliches Plädoyer für die Zerschlagung des polnischen Staates.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass Rothfels mit solchen Vorstellungen, die er auch nach 1933 vertrat, die nationalsozialistische Eroberungspolitik geistig mit vorbereitete.

Dr. Dieter Schmidt-Sinns Meckenheim