Meine Karriere als Musiker begann, als ich in jungen Jahren einmal die Flöte meiner Schwester in die Hand nahm. Und damit endete die Karriere auch. Die Töne, die da rauskamen, machten mir klar, wie viel musikalisches Talent ich habe: gar keines. Aber je weniger man etwas kann, desto mehr träumt man davon. So unmusikalisch ich bin, so sehr liebe ich Musik. Heavy Metal ist mein Ding. Metallica, AC/DC, die harten Sachen

ich habe sie alle im Konzert gesehen. Und wenn dann die E-Gitarre aufheult, der Sänger mit seiner rauen, tiefen Stimme loslegt, wenn der Beat des Schlagzeugs schneller und lauter wird und mich mit in eine andere Welt reißt, dann kommt unweigerlich der Gedanke: Das wäre was - du ein Musikstar.

Ich sehe die Rocker neben mir im Publikum, ihre dicken Bierbäuche, ihre Kutten, wie wir Metaller sagen: die mit Nieten bestickten Lederjacken. Ich sehe die harten Jungs unten im Parkett, direkt vor der Bühne, wie sie headbangen, wie sie ihre langen Haare wild durch die Luft fliegen lassen. Ich selbst greife zur Luftgitarre, weil die Hände irgendwohin müssen, so sehr steckt die Musik mich an. In solchen Momenten träume ich, ich hätte eine echte Gitarre in der Hand, ich wäre es, der da oben auf der Bühne der Manchester Arena oder der Münchner Olympiahalle steht. Es spielt: Metallica, die beste Heavy-Metal-Band der Welt. Am Schlagzeug: Lars Ulrich. Leadguitar: Kirk Hammett. Gesang und E-Gitarre: Markus Babbel. Ich brülle: Manchester, how are you tonight? 8000 Leute antworten, und ihr Geschrei kann nur eins bedeuten: Sie sind bereit. Dann die ersten Gitarrentöne, jeder im Publikum erkennt das Lied: I can't remember anything / Can't tell if this is true or dream / Deep down inside I feel to scream

es ist One, Metallicas großer Hit.

Was muss das für ein Gefühl sein, wenn du die Menge zum Toben bringst?

Wann immer mich Leute auf einem Konzert sehen, sind sie überrascht.

Fußballprofis erwartet man doch eher auf einer Popveranstaltung, bei Robbie Williams oder so. Und ich sehe ja auch nicht gerade wie der klassische Metaller aus: keine langen Haare, keine Tätowierungen, kein Leder. Was die Leute aber vor allen verblüfft, ist, dass einer, der selber Star ist und angehimmelt wird, gleichzeitig auch Fan ist. Ich halte das für normal. Jeder hat seine Idole. Nur weil ich Fußballprofi bin, also den Traum von so vielen Menschen lebe, höre ich doch nicht auf, selbst zu träumen. Einmal habe ich Fernando von Arb getroffen, den Sänger von Krokus, wir haben zufällig den gleichen Anwalt. Ich habe Krokus schließlich sogar ein klein wenig bei der Promotion ihrer neuen Scheibe geholfen, und als dann auf ihrer Platte Almost 13 die Widmung stand: Thanks to Markus Babbel, da war ich so stolz wie ein Fußballfan, der ein Originaltrikot von Michael Owen ergattert.