Am Morgen des 12. September herrschte im Lehrerzimmer unserer Grundschule im hessischen Frankenberg eine kaum beschreibbare Stimmung: leise Gespräche über die Fernsehbilder vom Vortag, Ratlosigkeit, Stille. Ich hatte an diesem Tag in der ersten Stunde Religionsunterricht in einer zweiten Klasse.

Aufgeregt empfingen mich die Kinder an der Tür. Die meisten hatten schon mit ihren Eltern über die Anschläge gesprochen. Und doch waren noch immer viele, viele Fragen offen.

Wir sprachen über die Menschen im World Trade Center und in den Flugzeugen, über die Angehörigen der Opfer, darüber, wer so etwas tut, und über die für die Kinder wichtigste Frage: "Passiert so etwas auch bei uns?" Manche begannen zu weinen, andere berichteten von den Tränen ihrer Eltern. Ein Kind malte ein Bild von den Türmen, in welche die Flugzeuge stürzten, und schrieb dazu: "Nu Jog".

Auch wenn jetzt langsam wieder die gewohnte Fröhlichkeit eingekehrt ist: die Ereignisse vom 11. September haben deutliche Spuren in den Köpfen der Kinder hinterlassen. Immer wieder erzählen, malen und schreiben sie von den Terroranschlägen - in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. In den vierten Klassen ist laut Lehrplan das Thema "Krieg und Frieden" vorgesehen. Fragen tauchen im Kollegium auf: Kann man solche Inhalte guten Gewissens unterrichten? Soll man den Schülern vom Frieden erzählen, während in Afghanistan Krieg ist? Aber vielleicht ist es gerade in dieser Zeit besonders wichtig, mit den Kindern über beides zu sprechen, über Krieg und über Frieden.

Protokolle: Jochen Bittner, Kirsten Zesewitz