Sie könnten auch die Schöne und das Biest verkörpern: die hinreißende Elsa und der aussätzige Heinrich. Elsa giert danach, ihn vor dem Tod zu bewahren, um sich rasch selbst vom Leben zu erlösen. So will es Tankred Dorsts Legende vom armen Heinrich, fußend auf Hartmann von Aues mittelhochdeutschem Armen Heinrich. Ernst August Klötzke hat zu Dorsts Libretto eine Kammeroper komponiert, die nun im Kleinen Haus des Wiesbadener Staatstheaters uraufgeführt wurde. Die Regisseurin Iris Gerath-Prein entführt uns in die fabelhafte Welt der furchtlosen Elsa, die davon träumt, als zersägte Jungfrau groß rauszukommen. Dem Herzensbrecher Heinrich ist das recht. Er macht sich mit ihr auf zum Wunderheiler von Salerno und gerät auf Umwegen vom Haben zum Sein. Klötzkes eindringliche Klangexkursionen begleiten die Seelenqual der doppelten Gutmenschwerdung. Gerath-Prein greift in die bonbonbunte Wundertüte und zaubert ein zart schmelzendes Kleinmädchen-Märchen hervor. Aber das beherzte Spiel und der trotzige Sopran der jungen Katrin Heinz (Elsa) sind das eigentliche Wunder des Abends. Wenn sie im letzten Moment dem Tod von der Klinge hüpft, darf es ruhig auch rote Rosenblätter regnen. Ohne Kitsch sind Wunder wohl nicht zu ertragen.