Auf dem Welthandelsgipfel im November waren die Industrieländer erpicht genug auf einen Erfolg, um Verhandlungen über die Landwirtschaft zuzustimmen und der Dritten Welt mit globalen Regeln für das geistige Eigentum ein Stück entgegenzukommen. Sie haben sich und ihre Unternehmen indes zu fast nichts verpflichtet. Weiterhin machen sie ihre Grenzen dicht gegen die Einfuhren, die am ehesten aus weniger entwickelten Gebieten kommen: Agrarprodukte und Textilien.

Der Appell zum Energiesparen verhallte noch schneller. Mögen die Ölquellen in Amerika auch bald versiegen: In der erdumspannenden Rezession ist der Antriebsstoff des Westens erst einmal billiger geworden. Und wenn die Preise an den Tankstellen sinken, zählt das strategische Argument nur wenig.

Die Attentate vom 11. September waren nie ein guter Grund für ein neues Miteinander in der Weltwirtschaft. Eine neuer Kurs aus diesem Motiv würde nur so lange verfolgt, wie das Bedrohungsgefühl im Westen anhält. Und danach?

Auch das Argument, die Ursachen des Terrors lägen in der weltweiten Ungleichheit, war alles andere als stichhaltig. Zwar mag die Armut in vielen islamischen Ländern dort die Sympathie für Attentäter steigern, aber es sind reiche Muslime, die den Kampf gegen Israel und Amerika mit Wort und Geld unterstützen. Außerdem: Europäisch-amerikanische Handelsschranken bilden noch die geringsten Hemmnisse für eine gesunde Wirtschaftsentwicklung in den islamischen Volkswirtschaften. Kriege und Bürgerkriege, geschlossene Grenzen und Verbote aller Art spielen eine größere Rolle.

Unabhängig vom 11. 9. ist der Appell an den Westen, mehr für das globale Miteinander zu tun, richtig. Wenn Amerika und Co. einen Fehler in der Entwicklungspolitik begangen haben, dann diesen: Sie haben - ganz zu Recht - die Fahne des Freihandels hochgehalten, haben ihren Partnern in der Welt die Vorteile des Marktes erklärt. Doch angestachelt von der Lobby heimischer Unternehmen, mitunter auch der Gewerkschaften, spielten sie ihre überlegene Macht aus, wenn der eigene Vorteil in Gefahr geriet. Der Westen signalisierte: Wird die Marktwirtschaft unangenehm, ändern wir schnell mal die Regeln.

Ein globales Verständnis für die Vorteile des Wettbewerbs entsteht damit nicht. Das kann sich nur entwickeln, wenn die Großen der Weltwirtschaft künftig den Verlockungen ihrer Macht widerstehen. Zum eigenen Vorteil: Billigere Landwirtschaftseinfuhren steigern den Wohlstand des Westens direkt, weil seine Konsumenten mehr fürs Geld bekommen. Und indirekt, weil die Entwicklungsländer mit ihren Devisen später als Käufer auftreten.

Die Erkenntnis des Westens sollte lauten: Wenn wir uns schon so kurzsichtig verhalten - wie schwer können dann erst Entwicklungsländer eine funktionierende Marktwirtschaft aufbauen? Der Internationale Währungsfonds bekämpfte Finanzkrisen nach Schema F, das regionalen Eigenheiten weniger gerecht wurde als der aktuell geltenden Lehrmeinung unter den Fonds-Ökonomen. So litt die Glaubwürdigkeit des Westens, wenn der IWF wieder sein übertriebenes Selbstbewusstsein zur Geltung brachte.