"Schön", sagt Johann.

O der Kindheit unschuldige Spiele! Nichts weiß Vielfahrer Johann von den Imageproblemen der Rüsselsheimer. Bei Männern mit Hut denkt er vielleicht an seine Opas oder lustige Spiele vor dem Spiegel, jedenfalls assoziiert er nicht Opel-Fahrer. Auch die legendären Werner-Witze über die GT-Fahrer mit dem muskelbepackten Unterarm (angeschwollen von der mechanischen Bedienung der Schlupfscheinwerfer in der Sportschleuder) kennt er nicht. Und die Hunde mit dem Wackelkopf und die gehäkelte Klorollenhaube verbindet er auch nicht automatisch mit dem Blitz im Kreis. Nichts ahnt er vom verzweifelten Versuch, "die Attraktivität der Marke Opel" (Opel) zu steigern. Kein Gedanke an die Gründung des Opel Performance Center (OPC) 1997, der für "exklusive Hochleistungsmodelle" zuständig ist und daran erinnern soll, dass man mit einem Opel nicht nur zur Kur, sondern auch Rennen fahren kann. Solange sein Maxi-Cosi-Sitz mit Liegefunktion und der Jürgen-Bär mitfahren, ist Johann ein gänzlich unvoreingenommener Testfahrer.

"Schön", sagt er.

Der Testwagen steht in der Einfahrt und leuchtet in etwa so wie das Blue-Curaçao-Eis beim Italiener vergangenen Sommer. Das ist schon fast das Auffälligste an diesem Opel Zafira OPC. Ansonsten sieht er fast aus wie ein normaler Van. Das ist der Tarnname für jene in die Höhe geschossenen Kombis, denen die Kenner dennoch sofort die Krümel, Flecken, Rotz, Hektik und Gepäckberge produzierende Familie on the road ansehen. Was die Autodesigner auch versuchen - die Dinger sehen in erster Linie praktisch aus. Doch der Zafira OPC kaschiert diesen Eindruck geschickt. Die Seitenschweller sagen nicht: Platz da für den Kinderwagen, sondern lassen eher an Workout in der Muckibude denken. Und die breiten 17-Zoll-Räder (225/45) würden in der Welt jenseits der Schnuller respektvoll "ganz schöne Schlappen" heißen. Die Front ist tief heruntergezogen, und unten öffnet ein Kühllufteinlass gierig sein Gitter. Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass in dieser Familienschüssel ein wildes Turbotier schlummert, wird beim Türöffnen dezent darauf hingewiesen: "Turbo" steht windschnittig auf den Einstiegsleisten.

Eiskalter Schaltknauf für das Gefühl von Abenteuer

Im Innern wecken noch mehr Verfremdungseffekte die Sehnsüchte einstmals rasender Junggesellen. Keine spießigen Sessel mit Armlehne, sondern stramme Recaro-Sportsitze. In hartem Weiß unterlegte Instrumente verbreiten Rennwagenambiente. Und der kühle Stahlknauf des Schaltknüppels soll windelweichen Händen ein Gefühl von Abenteuer zurückgeben - was bei minus sechs Grad Außentemperatur sofort gelingt; das eiskalte Ding anzufassen ist in etwa so wild wie der Versuch, dem jungen Testfahrer den Schneeanzug überzuziehen.

Der interessiert sich mehr für die Angebote der zweiten Reihe. Für die elektrischen Fensterheber zum Beispiel, die man aber glücklicherweise vom Fahrersitz aus blockieren kann. Nicht verhindern kann man die Platzprobe: Zu schnell ist mit dem Schlamm unterm Schuh die Rückenlehne des Beifahrersitzes beschmiert - eindeutig zu wenig Abstand. Aber zum Glück sind ja nicht nur die vorderen Sitze, sondern ist auch die Bank dahinter voll verschiebbar. Raum ist also reichlich vorhanden. Sind Reihe eins und zwei ausverkauft, bleibt dahinter immer noch Luft für 500 Liter Gepäck oder diverse Kinderwagen, Kühltaschen, Dreiräder.