Zum Freundeskreis meiner Eltern zählten viele Künstler. Als wir auf der Grundschule in Wien in einem Lehrbuch eine Statue von Michelangelo betrachteten, sagte ich zu meinem Banknachbarn: "Der war auch schon bei uns zum Abendessen!" Ich dachte, dass jeder Künstler schon einmal bei uns zu Hause war. Schon früh besuchte ich mit meiner Familie Museen. Zuerst wurde ich mitgeschleift, aber notgedrungen begann ich, Interesse zu entwickeln. Im Kunstunterricht wurde mir klar, welchen Informationsvorsprung ich auf diesem Gebiet hatte, und so wusste ich früh, dass ich beruflich in diese Richtung gehen würde.

Es kam aber nie der Wunsch auf, Künstler zu werden. Ich hatte zwar viel Fantasie, handwerklich aber zwei linke Hände. Kunstunterricht abseits der Theorie war nie meine Stärke. In der Schule war ich in Fächern wie Mathematik gut, in denen analytisches Denken gefragt war. Mein Interesse an Wirtschaft, das sich bald herauskristallisierte, war für meine Familie vollkommen untypisch - und allen ein Rätsel. Dass ich Wirtschaft und Kunstgeschichte studierte, sahen sie mit Wohlwollen. Diese Kombination war für mich nur logisch: Im Kulturleben vollzog sich ein Umbruch, die Branche brauchte nicht nur kunstbeflissene Menschen, sondern auch solche mit Managerqualitäten. An der Wiener Wirtschaftsuniversität habe ich deswegen die trockensten Fächer belegt.

Während der Studienzeit jobbte ich zunächst als Journalist, später in einer Werbeagentur. Von den Werbern kann man einiges an Kreativitätstechniken lernen. Meine Kunstgeschichtsprofessoren haben aber immer die Augenbrauen hochgezogen, angesichts eines Studenten, der gleichzeitig über Tizian schreiben und auch Werbung faszinierend finden konnte. Es war nicht immer klar, dass ich im Museum landen werde. Durch meinen Vater, der als Architekt mit dem Guggenheim-Museum zu tun hatte, erfuhr ich, dass dort Leute gebraucht werden. Ich unterbrach meine Studien für drei Monate, um in New York ein Praktikum zu machen. Heute bin ich überzeugt, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich kam in eine tolle Aufbruchstimmung, war Tag und Nacht für die Wiederhängung der Guggenheim-Sammlung im Einsatz. Im Juni 1992 wurde das Museum nach der Renovierung wiedereröffnet. Es gab eine Party, die ganze sieben Tage und Nächte dauerte. Ich war schwer beeindruckt.

Durch die Persönlichkeiten, Geldgeber und Künstler schwebt eine Aura um eine solche Institution. Für mich stießen im Guggenheim-Museum beide meiner Welten zusammen: die Kunst und die Ökonomie. Das hat mich gereizt. Ich kehrte nach Wien zurück, um rasch meine Studien abzuschließen. Denn ich wusste, in New York wartet ein Job auf mich, wenn ich zurückkehrte. 1995 war es endlich so weit: Ich zog mit Sack und Pack in die Staaten. Eine schwere Entscheidung, Wien zu verlassen, aber meine Freundin Nina, mittlerweile meine Frau, kam glücklicherweise bald nach. Damit begann eine Phase, die mich sehr stark geprägt hat. Mein erster wirklicher Job, in dem ich plötzlich mit Größen aus Kunst, Politik und Wirtschaft zu tun hatte: Robert Rauschenberg, Jenny Holzer, Michael Eisner, Ron Perelman oder Si Newhouse waren nur einige. Ich brauchte ein paar Wochen, bis ich das in New Yorker Gesprächen gern verwendete "Let's have lunch some time" richtig deutete, nämlich als Signal, dass das Gespräch nun beendet ist und nicht als Einladung. Als eifriger Europäer bin ich da zu ein paar Mittagessen gekommen, die so gar nicht geplant waren. Zum Beispiel mit dem berühmten, nunmehr verstorbenen Galeristen Leo Castelli.

Als Assistent von Guggenheim-Chef Thomas Krens verbrachte ich viel Zeit mit ihm. Im Rückblick war es ein sehr freundschaftliches, aber auch sehr forderndes Verhältnis, das er zu mir hatte. Ich war damals erst 27. Angenehm war, dass das keine Rolle spielte. Auch die Tatsache, dass ich den Namen meines Vaters trage, wurde nie negativ kommentiert. Ich denke, beides ist etwas sehr Amerikanisches. Von Krens habe ich viel gelernt. Er schafft es, Dinge zu realisieren, die unmöglich scheinen. Mit viel Energie, Ausdauer und einer gewissen Spielernatur.

Es war oft ein aufregender 24-Stunden-Tag durch die vielen Atelierbesuche bei Künstlern und Meetings mit Geldgebern. Ich war auch über 180 Tage im Jahr unterwegs - viel in Europa, aber auch in Asien. In den fünf Jahren in New York habe ich mehr gelernt als andere in zwanzig Jahren Berufsleben. Aber irgendwann spürte ich, dass die Lernkurve, die zunächst steil nach oben ging, enorm abflachte, vieles zur Routine wurde. Da war klar: Jetzt muss etwas Neues kommen. Im Jahr 2000 wurde ich neben meiner Tätigkeit im Guggenheim zum Kurator der Architektur-Biennale des amerikanischen Pavillons ernannt. Ich lernte so abseits des Guggenheim, allein zu agieren. Das wollte ich weiter machen. Vom Guggenheim wegzugehen, war nicht leicht. Zwangsläufig würde alles, was nachkommt, zunächst einmal weniger spannend sein, dachte ich - und noch viel mehr meine Frau. Insofern waren wir schon typische New Yorker. Seit dem Frühjahr leben wir in Frankfurt. Und: Es ist spannend in einer neuen Stadt zu sein, mit neuen Freunden und einer neuen Herausforderung.