Probleme lassen sich oft nur lösen, wenn man woanders Abstriche macht. Repariere ich zum Beispiel das Telefon, bleibt weniger Zeit zum Schachspielen. Hier mehr Staatsgeld für die Rentenversicherung heißt dort einen Spürpanzer weniger. Das Leben mit Problemen ist wie Schlafen in einem Bett mit zu kleiner Decke: Ist die Nase warm, frieren die Zehen.

Aber manchmal gelingen Geniestreiche. Man stößt auf eine Lösung und hat, hoppla, drei Kalamitäten auf einmal weggezaubert. In Brasilien ist das passiert. Agrarforscher der Universität São Paulo haben in Zusammenarbeit mit der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig herausgefunden, wie sich mit einer einzigen Tat Landschaftsschutz betreiben, das gefährliche Denguefieber eindämmen und abgefahrene Autoreifen entsorgen lassen. Die Lösung für alles: Autoreifen verbuddeln und bepflanzen.

Erstens werden, wie die FAL darlegt, durch Verfüllen von Reifen "regenwasserbedingte Erosionsgullys" in Böden beseitigt, und durch anschließende Bepflanzung mit Gehölz wird die Flora restauriert. Zweitens kann die todbringende Mücke Aedes aegypti ihre Larven nicht mehr im Pfützenwasser kultivieren, das sich bei "offener Lagerung" in den Reifen sammelt. Drittens ist man den Müll los - ökologisch. Während der Studien sei keine Umweltbeeinträchtigung festgestellt worden.

Eine so originelle Entsorgung des Reifenmülls hierzulande lässt auf sich warten. Glatten Gummi gibt es bergeweise, nicht aber Denguefieber und Erosionsgullys. Doch wir können unser eigenes Problemlösungspaket schnüren: Mit deutschen Altreifen lassen sich flächendeckend die Erosionslöcher im abgeholzten Regenwald stopfen. Dann wird bepflanzt. Wald aufgeforstet, Klima gerettet, Kyoto erfüllt. Das schlechte Gewissen der Deutschen? Wie weggeblasen. Autofahren ist künftig Klimaschutz. Wer ökologisch denkt, gibt Gummi.