DIE ZEIT: Wer 1986 für 2000 Dollar Microsoft-Aktien kaufte, ist heute Millionär. Wagen Sie eine Prognose darüber, aus welchem Wirtschaftssektor ein neues Microsoft stammen könnte?

Ray Kurzweil: Es wird wohl ein Unternehmen aus dem so genannten GNR-Bereich sein: Genetik, Nanotechnologie, Roboter, wobei mit Letzterem die Herstellung künstlicher Intelligenz gemeint ist. Die Genetik hilft uns, das Leben zu verstehen; sie wird Möglichkeiten schaffen, praktisch alle Krankheiten zu bekämpfen. Mithilfe der Nanotechnologie dürften wir in 25 bis 30 Jahren in der Lage sein, auf völlig neue Weise jedes nur denkbare Produkt herzustellen. Was künstliche Intelligenz angeht: In Ansätzen existiert sie schon heute. Es gibt Tausende Beispiele von Maschinen, die ihre Aufgaben besser verrichten, als Menschen es könnten, etwa in der Diagnostik. Wir werden hier rasante Fortschritte machen. In zehn Jahren werden Sie auf dem Internet virtuellen Personen begegnen, mit denen Sie reden können und die Sie, nur als Beispiel, beim Kauf eines Camcorders beraten werden.

ZEIT: Voraussetzung dafür ist eine wesentlich größere Leistungsfähigkeit von Computern. Heute haben unsere Rechenmaschinen die "Intelligenz" eines Insekts.

Kurzweil: Auf dem Stand von Insekten waren wir vor zwei Jahren. Inzwischen hat ein 1000-Dollar-PC die Fähigkeit eines Mäusehirns.

ZEIT: Auch die reicht nicht für einen Verkäufer. Droht nicht das Ende des Fortschritts bei Computern? Wissenschaftler sprechen davon, dass "Moore's Law", nach dem sich die rechnerische Potenz eines Computers alle 18 Monate verdoppelt, schon bald nicht mehr gelten wird.

Kurzweil: Ach was. Moore's Law war nur das letzte von inzwischen fünf Paradigmen, die für exponentielles Wachstum der Fähigkeit von Computern gesorgt haben. Es ist richtig, dass wir in zehn bis zwölf Jahren an einen Punkt kommen, an dem wir Chips nicht noch kleiner und damit noch schneller machen können. Dann aber wird es das sechste Paradigma geben - nämlich die Dreidimensionalität. Wir werden kleinste Nanoröhren entwickeln. Etwa im Jahr 2019 dürfte ein PC damit dieselbe Leistungskraft haben wie ein menschliches Gehirn.

ZEIT: Gleichzeitig, sagen Sie, werden Computer winzig klein.