Am Donnerstag stehe ich wie üblich um sieben auf: Morgengymnastik, Atemübungen, Cross-Trainer, Faxe beantworten, telefonieren und noch mal die Texte durchgehen, damit ich mich um zehn, wenn die Probe beginnt, sicher fühle. Wir sprechen zuerst die Abläufe der Szenen durch, um elf beginnt eine Durchlaufprobe des gesamten Stückes. Um 17 Uhr dann Kostümprobe: Madame Therbouche trägt ein Kleid aus der Rokokozeit. Es ist leicht abgewandelt, historisch nicht ganz korrekt, damit es ihren unbürgerlichen und bohemienhaften Charakter besser ausdrückt. Die Damen von damals haben es schwer gehabt, weil sie bis zum Gehtnichtmehr eingeschnürt wurden, bei mir ist das noch im Bereich des Erträglichen. Um halb sieben treffen wir uns noch mal zum Durchsprechen der Szenen, um acht proben wir das gesamte Stück. Direkt im Anschluss kritisiert Marek Gierszal, der Regisseur, alle Schauspieler einzeln. Das geht sicher bis Mitternacht.

Der Freitag läuft fast genauso ab: Wir proben den ganzen Tag, um fünf machen wir eine Tonprobe mit allen Einspielungen. Wenn ich abends nach Hause komme, schminke ich mich ab, telefoniere kurz und falle ins Bett.

Samstag proben wir auch. Ich habe keine Wochenendrituale fürs Frühstück. So etwas würde nur bedeuten, dass ich nicht zu dem komme, was ich eigentlich will. Und ich will mich ausschließlich mit dem Stück beschäftigen.

Am Sonntag beleuchten wir zunächst die einzelnen Szenen, um zu sehen, an welchen noch weitergearbeitet werden muss. Wir Schauspieler treffen uns untereinander, ich bespreche mich mit Georges Claisse, dem männlichen Hauptdarsteller, also Diderot. Parallel wird das Bühnenbild auf der Hauptbühne aufgebaut, die Beleuchtung eingerichtet. Am Abend gibt es keinen Durchlauf, stattdessen gehen wir mit den Kollegen essen. Ich liebe italienisches Essen, habe aber im Moment keine großen Ansprüche: Hauptsache, das Restaurant ist nah für alle.

Auf den Montag freue ich mich. Zuerst bin ich Gast im Morgenmagazin. Danach proben wir zum ersten Mal auf der Hauptbühne. Der Saal ist großartig, kaum hallig, die Akustik fantastisch. Die Bühne ist eiförmig, ein Rund. Man fühlt sich eingebettet wie in einen Kokon. Wir proben zum ersten Mal mit Beleuchtung.

Dienstag kommen zur Probe Fotografen, Kamerateams und die Bauaufsicht. Vor der ersten Aufführung gibt es immer eine feuerpolizeiliche Abnahme, um sicherzugehen, dass Kerzen oder Streichhölzer, die man im Stück verwendet, keinen Brand erzeugen können. Abends ist die erste Voraufführung. Ich bin sehr gespannt, denn Der Freigeist ist eine Komödie mit viel Wortwitz und Ironie. Bei den Proben lacht vielleicht mal der Regisseur oder die Souffleuse, aber wenn das ganze Haus lacht, ergibt das längere Pausen. Ich stehe als Erste auf der Bühne. Die Anfangsszene ist im Theater immer am schwierigsten. Sie muss sitzen, sonst verspielt man sich alle Chancen.

Am Mittwoch ist die zweite Voraufführung. Ich bin glücklich, wenn das Stück rund ist, wenn der Fluss stimmt, die Resonanz aus dem Publikum. Nach der Premiere am 10. Januar wird alles etwas lockerer: Von da an habe ich den ganzen Tag für mich und gehe erst nachmittags ins Theater, um mich auf die Aufführung vorzubereiten.