Der Januar wird ein kalter Monat, zumindest für Thomas Haffa. Ein Prozess ist dem Gründer des Medienunternehmens EM.TV schon sicher, eine zweiter gilt als wahrscheinlich. Beide Male geht es um die Frage, ob der frühere Börsenstar des Neuen Marktes seine Aktionäre böswillig getäuscht hat - oder ob er lediglich ein paar große Fehler gemacht hat und dabei viel Pech hatte. So oder so beginnt der Schlussakt einer spektakulären Unternehmergeschichte.

Immerhin: Haffa könnte bald das nötige Geld für eventuelle Schadensersatzforderungen beisammenhaben - hofft er. Sein Nachfolger im Amt des Vorstandschefs, Werner E. Klatten, will sich nämlich ein wenig Geld beschaffen und Haffas Anteile an EM.TV übernehmen. Wenn das klappt. Klattens Mitarbeiter erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass sie bisher nichts von einem Financier wissen, und Klatten selbst mochte sich vor dem Jahreswechsel nicht äußern. Auch nicht darüber, ob er das Unternehmen vielleicht gar nicht mehr übernehmen will, seit er es von innen kennt. Anfangs hatte EM.TV mit Filmrechten an Kinderserien gehandelt, dann hatte es sich durch einen Börsengang und Kapitalerhöhungen Milliarden besorgt und schließlich Anteile an diversen Gesellschaften erworben - unter anderem am Vermarkter der Rennserie Formel 1. Heute ist vom alten Glanz nicht viel geblieben. Die Beteiligungen bringen wenig oder gar kein Geld, der Handel mit Filmrechten liegt darnieder, das Unternehmen steht vor einem Schuldenberg - Haffas Werk.

In jedem Fall muss der neuerdings öffentlichkeitsscheue Haffa demnächst im Gerichtssaal Platz nehmen. "Wir fühlen uns sehr gut gerüstet", sagt Rechtsanwalt Sven Galla von der Münchner Kanzlei Rotter, die inzwischen fast 600 Kleinaktionäre vertritt. Die zivilrechtliche Klage soll im Januar eingereicht werden. goh

Intershop: Gerupft

Verluste und Umsatzeinbrüche - um den Softwareanbieter Intershop steht es nicht zum Besten. Dabei fing alles märchenhaft an. Der Unternehmensgründer Stephan Schambach eröffnete vor rund zehn Jahren als 19-jähriger Physikstudent seine Firma im thüringischen Jena und brillierte in der Blütezeit der New Economy mit seinen Computerprogrammen, die das Rückgrat vieler Online-Shops bildete. Nun aber muss er mächtig kämpfen.

Das heißt: Eigentlich führt er schon gar nicht mehr die Tagesgeschäfte, sondern sein Finanzvorstand Wilfried Beek. Schambach, der einstige Shootingstar, hat sich zurückgezogen. "Hinterher ist man immer schlauer", gibt er zu. Alle Startups hätten den großartigen Prognosen geglaubt.

Seine besten Jahre waren 1999 und 2000, als Intershop-Programme hoch im Kurs standen. Doch dann kriselte als Erstes das Geschäft in den USA. Besonders bitter für Schambach, weil er sich doch als einer der ersten Deutschen mit seiner Firmenzentrale nach San Francisco gewagt hatte. "Wie schnell so etwas ins Kippen kommen kann, gehört sicher zu den Dingen, die ich für den Rest meines Lebens gelernt habe", sagt der heute 30-Jährige. lüt