"Wir haben 22 Jahre lang gebetet", sagt die Frau neben ihm. Sie ist seine Tante. "Wir wussten, dass er unschuldig ist."

Jerrys Augen zeigen sich in dünnen Schlitzen, aus dem rechten rutscht eine Träne, vielleicht presst er sie auch heraus. Er atmet tief ein.

Sein Onkel sitzt ebenfalls da. Er sagt: "Gott hat uns einen Engel gesandt." Er meint den Polizisten, der Jerry aus dem Gefängnis geholt hat.

Jerrys Kopf ruckt ein wenig nach vorne. Der Mund öffnet sich leicht, er ist breit und schief, die Zunge stochert nach Worten. Ein Schweigen ist im Raum, die Erwartung der Worte. Dorthinein fallen Laute. "Ich könnte niemanden töten."

Der Staatsanwalt David Waksman glaubt das bis heute nicht. Er möchte Jerry am liebsten einsperren für immer.

Jerry Frank Townsend, 49, zu langsam im Kopf, um als normal zu gelten, ist frei. Er hockt auf dem Sofa eines Hotels in Fort Lauderdale, Florida, und stammelt in eine Fernsehkamera.

Als sie ihn 1979 bei Miami schnappten, gestand er neun Morde. Jerry widerrief sein Geständnis, es nützte ihm nichts. Die Polizei hatte Tonbänder der Verhöre. Townsend wurde 1980 verurteilt für eine Vergewaltigung und zwei Morde. Seine Anwälte plädierten auf schuldig für weitere vier Morde. Das ersparte ihm den elektrischen Stuhl. Er bekam zweimal lebenslänglich, wurde weggeschlossen beinahe auf ewig, keine Bewährung für 50 Jahre, als einer der größten Serienmörder Amerikas.