Zeit : Nach 23 Uhr und, vor allem: nach vielen Stunden Proben von Warten auf Godot.

Personen: Ein todmüder Matthias Hartmann, Intendant des Bochumer Schauspielhauses und Regisseur von Warten auf Godot; ein etwas erschöpfter Harald Schmidt, TV-Star und Schauspieler, der die Rolle des Knechts Lucky übernommen hat, welcher sich auf ewiger Wanderschaft befindet; und ein stiller und dadurch sehr tiefsinnig wirkender Michael Maertens, Mitglied des Berliner Ensembles und des Bochumer Schauspielhauses, der den Vagabunden Wladimir spielt.

Herr Hartmann, warum haben Sie Harald Schmidt in der Figur des Lucky eingesetzt - waren es seine schauspielerischen Fähigkeiten oder seine PRQualitäten?

Matthias Hartmann: Weder - noch. Ich besprach irgendwann mit dem Dramaturgen Thomas Oberender, dass wir Warten auf Godot wirklich wunderbar besetzen könnten - außer der Figur des Lucky. Und Oberender meinte, eigentlich wäre der Lucky unserer Zeit Harald Schmidt. Das war's. Dann lernte ich auf einer Party Harald Schmidt kennen. Da sagte er: »Ich hätte Lust, einmal in meinem Leben den Lucky zu spielen.« Das war ein Volltreffer - und so haben wir es beschlossen.

Herr Schmidt, was prädestiniert Sie für Lucky?

Harald Schmidt: Nix eigentlich. Ich kenne den Text seit 25 Jahren. Ich wollte den schon auf der Schauspielschule zur Aufnahmeprüfung sprechen. Kein Witz. Habe es dann aber nicht gemacht, weil es mir zu viel Arbeit zum Lernen war. Aber irgendwie hat mich der Text immer begleitet, auch der Lucky, wegen des Monologs. Hätte ich das Stück genauer gelesen, hätte ich gewusst, dass ich da ziemlich lange mit schweren Koffern herumstehen muss, bevor dieser Monolog kommt. Aber aufgrund meiner Oberflächlichkeit habe ich das jetzt erst auf den Proben schmerzhaft erfahren. Und ich habe, ehrlich gesagt, nicht gecheckt, wie toll die drei anderen Rollen eigentlich sind. Das merke ich erst jetzt auf den Proben. Aber für mich ist ganz klar, dass auf dem Level, auf dem das hier stattfindet, für mich mit viel Glück maximal der Lucky zu schaffen ist. Ich wollte schon, dass es ein ganz tolles Theater mit einer ganz tollen Besetzung und einer unfassbar guten Regie ist, und deswegen ...

Michael Maertens: ... nicht nur Streber, auch noch Schleimer ...