Das Irreführendste, was sich über die Achte Sinfonie von Schostakowitsch sagen lässt, hat der Komponist selbst gesagt. Sie sei optimistisch und lebensbejahend, sie zeige: "Das Leben ist schön. Alles Düstere und Böse wird verderben ..." Das sagte er für Stalin, der im Kriegsjahr 1943, nach der gewonnenen Schlacht um Stalingrad, niemals geduldet hätte, was die Sinfonie tatsächlich mitteilt.

Dabei versteht man das auch ohne Vorkenntnisse. Das Leben, das hier hörbar wird, ist bestenfalls die Abwesenheit von Tod. Es deformiert, es gewährt Freiheit nur da, wo einer wenigstens seiner Verzweiflung Ausdruck verleihen kann. Eigentlich ein Wunder, dass nach der Uraufführung dieses Werkes der Komponist nicht sofort geächtet wurde, wie es dann nach seiner Neunten geschah.

"Optimistisch und lebensbejahend" ist die Achte insofern, als Schostakowitsch sie überhaupt geschrieben hat, einfach in der Hoffnung, in einer Hölle der Lügen eine Stunde lang Wahrheit vermitteln zu können. Jewgenij Mawrinsky war der Erste, der diese Stunde dirigierte, November 1943 in Moskau. Mawrinskys Schüler Mariss Jansons hat das Riesenwerk dieses Jahr in Pittsburgh aufgenommen (EMI 557176-2).

Es ist ein Live-Mitschnitt mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, das Jansons seit vier Jahren leitet, und es ist von der Intensität, die einen geradezu physisch daran hindert, die CD zu stoppen. Nicht nur, weil im ersten Satz die punktierten Rhythmen einen weiterziehen, die ins dunkel Monumentale vergrößerten Erben französischer Barockouvertüren. Sondern auch, weil diese langen Töne brennen vor Energie.

Und weil, später, die militaristischen Versatzstücke, Trommelwirbel, Fanfaren, Märsche, sich als das erweisen, was sie sonst bemänteln sollen: Brutalitäten, von denen sich der Komponist nicht mehr distanzieren kann, die ihn verformen wie eine einwachsende Maske. Er zeigt diesen schmerzenden Vorgang wie von innen - und setzt weithin tragende Gesänge dagegen.

Atemberaubend, wie ein brüllender Akkord umschlägt in fernstes Streichertremolo, geträumter Blick zu einem Horizont, an dem das Englischhorn zu klagen beginnt. Oder wie im dritten Satz eine verbrannte Oberfläche, lange Schreie der Holzbläser über rasenden Vierteln, bei gleichem Metrum übergeht in den Taumel der Mitläufer, vor Dummheit gleißendes Triumphgetöse, mitreißend, unaufhaltsam.

Und dann gibt es da die rührende, von Jansons zärtlich zelebrierte Geste, mit der sich Schostakowitsch zwischen dem vierten und fünften Satz eine romantische Auflösung zu sanftem C-Dur erlaubt. Doch diese Tonart bleibt auch am Ende nur ein Blick in die Wolken: kein Licht am Ende des Tunnels, sondern über den Ruinen von Häusern und Menschen. Das Leben, hört man da, kann schön sein ohne uns.