Und der Verlierer ist - Deutschland! Die Pisa-Studie zeigt, dass die beamteten Lehrer den Heranwachsenden zu wenig oder das Falsche beibringen.

Die Jungdeutschen haben heute kaum bessere Bildungschancen als ein brasilianischer Sprössling. In den Tabellen der Weltökonomie wird das Wirtschaftswunderkind nach unten durchgereicht. Im Gesamtwettbewerb schaffen wir es gerade noch unter die ersten 20 - irgendwo zwischen Österreich und Malaysia. In den Disziplinen Sozialsystem und Arbeitsmarktordnung landen wir ganz hinten, auf dem Abstiegsplatz. Und in Europa? Deutschland, ehemals Lehrmeister, ist zum Sitzenbleiber der EU verkommen. Keine Volkswirtschaft wächst langsamer, kaum ein Staat verschuldet sich stärker als der Riese vom Rhein.

Was Wunder, dass die deutschen Unternehmen sich dem internationalen Optimismus für 2002 nicht anschließen mögen. Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln erwarten die meisten Branchen in diesem Jahr Stagnation oder gar Schrumpfung, mehr als die Hälfte wollen Stellen abbauen.

Wie lange wollen sich die Deutschen britische Häme und französische Süffisanz noch gefallen lassen? Wenn sie sich schon immer mehr Abgaben abknöpfen lassen, dann doch nicht ihren Stolz. Sollte man denken. Stimmt aber nicht.

Tatsächlich hat im Land der Schlichter und Bedenkenträger ein Produkt Dauerkonjunktur: die Schuldabweisung. Beispiel: Der Wirtschaft ginge es viel besser, wenn der Westen nicht seit 1990 den Osten subventionieren müsste.

Tatsächlich haben die Wessis ihr Problem aus den achtziger Jahren auf ganz Deutschland ausgeweitet. Mit jedem Konjunkturzyklus steigt die Arbeitslosigkeit, und die deutsche Wirtschaft wächst nur dank des Exports - also, wenn der Rest der Welt wächst. Außenpolitisch mag sich Germania emanzipiert haben, wirtschaftlich ist sie abhängiger geworden.

Die Arbeitgeber können es sich leisten, ohne innovative Tarifmodelle auszukommen, die Arbeitsplätze retten statt vernichten würden. Denn die Gewerkschaften sind unklug genug, die Kritik mit überhöhten Lohnforderungen auf sich zu ziehen, statt - wie es der scheidende IG-Metall-Chef Klaus Zwickel wollte - einen Teil des Lohns vom Betriebsergebnis abhängig zu machen. Noch immer kann es sich der Kanzler leisten, auf den dringend benötigten Niedriglohnsektor zu verzichten, der Arbeitslose vom Schwarzmarkt in die Legalität ziehen würde. Denn die Union hat kein Reformkonzept, und "K" steht bei ihr seit Monaten nicht für Konjunktur, sondern für Kanzlerkandidat.