Bruce Tizes ist so ein Typ, dem kann der Winter nichts anhaben. Und die Rezession schon gar nichts. Die Sache mit dem Winter lässt sich leicht erklären, denn Bruce ist vor ein paar Jahren aus dem kühlen New York in das karibische Strand- und Steuerparadies St. Thomas gezogen. Jetzt beschreibt er die Situation vor seinem Bürofenster mit "30 Grad im Schatten und türkisfarbene See". Warum ihn die Rezession kalt lässt, erklärt er aber nicht. "Ich nutze Gelegenheiten", sagt Bruce Tizes und weicht damit der spannendsten Frage aus: Wie es sein kleiner Investmentfonds Galt Capital zum Teufel geschafft habe, im vergangenen Jahr 140 Prozent Plus zu erwirtschaften. Und davor jährlich im Schnitt 60 Prozent. Bruce Tizes redet nicht viel über Geld.

Willkommen in der verdrehten Welt der Hedgefonds! Sie geben sich Namen wie Aerodynamik, Olympia, Unendlichkeit oder Alpin und sind die ehrgeizige Sonderliga am internationalen Finanzmarkt. Schätzungsweise 8000 von ihnen verwalten in aller Welt 500 Milliarden Dollar, bei Mindestanlagen ab einer Million Dollar pro Person. Sie locken ihre Kundschaft mit streng gehüteten Patentformeln, unterhalten Firmensitze in fernen Paradiesen wie den Cayman Islands und wollen als rein private Einrichtungen von Aufsichtsbehörden nichts wissen. Jahrelang galten sie als die esoterischste Anlageform überhaupt - höchstens geeignet für risikofreudige Multimillionäre.

Etwas Merkwürdiges ist passiert. Ausgerechnet in diesen unsicheren Zeiten, mitten in einem Jahr voll Krieg und Terror, gelten die riskanten Hedgefonds plötzlich als heißer Tipp gegen die Aktienflaute - ausgerechnet. Die Branche verzeichnet solide Zuwächse, das Anlagevolumen in Hedgefonds wächst jährlich um etwa 20 Prozent. "Wir bekommen Anfragen von Leuten, die wir früher nie gesehen haben: Stiftungen, wohlhabende Einzelpersonen, sogar Gewerkschaften", berichtet Louis Finney von der Chicagoer Anlageberatung William M. Mercer. Er kann sich das nur durch einen "Cocktailparty-Effekt" erklären: "Die Leute reden über Hedgefonds - und plötzlich will jeder einen haben."

Ein unschönes Hochhaus in Downtown Manhattan, das 31. Stockwerk, die Büros eines Milliardenbusiness. Eine Hedgefonds-Gruppe mit schätzungsweise einer Milliarde Anlagekapital ist hier zu Hause, es gehört zu den Top Ten am Hedgefonds-Markt. Das sieht man nur nicht. Am Eingang flirtet die Sekretärin am Telefon und winkt den Besucher mit der freien Hand wortlos hinein. In den Büros sitzen aufgeräumte junge Leute an Schreibtischen, Anzüge trägt hier keiner. Karohemden müssen irgendwo billig gewesen sein. "Das ist unser Handelsraum", sagt Jacob, ein junger Trader des Unternehmens, der die Führung übernommen hat. Er zeigt auf einen zu groß geratenen Schreibtisch in der Ecke mit Flachbildschirmen drauf. Insgesamt elf Arbeitsplätze.

Reich werden durch Hedgefonds - dieser Traum geht für Jacob und seine Freunde auf. Nirgendwo auf der Welt kann man heute so jung und so früh mit Milliarden jonglieren - und tüchtig etwas davon abzweigen. Gehaltsschecks in zweistelliger Millionenhöhe sind bei Hedgefonds keine Ausnahme: Die übliche Bezahlung ist 1 Prozent des verwalteten Kapitals plus 20 Prozent vom Gewinn.

"Die besten Leute der Welt sind nicht mehr bereit, für Banken zu arbeiten und mit einem Bonus abgespeist zu werden", erzählt Philipp Cottier von der Züricher Investitionsberatung Harcourt

ganze Scharen von Investmentbankern seien in den letzten Monaten zu Fondsgründern geworden. In New Yorks Midtown nennen sie ein Gebäude schon das Hedge Fund Hotel. So viele kleine Anlageunternehmen sind dort in den vergangenen Jahren und Monaten eingezogen.