Zu den großen Ungerechtigkeiten des vergangenen Jahres gehört die Nichterwähnung von Christopher Dell in dem Artikel Hausmusik aus zwölf Modulen über die Berliner Musikerbrüder Lippok & Lippok, ZEIT Nr. 45/01.

Anlass des Doppelporträts war die Vertonung eines Hauses gewesen, des Kölner Bretts in Köln-Ehrenfeld. Warum ungerecht? Weil auch Christopher Dell dieses Gebäude vertont hat. Unter dem Titel metazoon ist seine Interpretation beim Verlag der Buchhandlung Walther König auf CD erschienen. Dell, 36, ist ein Vibrafonist, der sein Instrument mit dem Kopf spielt. Es geht ihm um die Organisation des geschichteten Raumes, um den dynamischen Dualismus von Abwesenheit und Anwesenheit, um das Sichverzahnen diskontinuierlicher Gruppen mit ihren Eigenzeiten - wie er im Begleittext schreibt. Wer das nicht lesen will, muss hören: Das Kölner Brett versteht Dell als grollendes, stampfendes Wohngebäude, als rollende Dschunke auf tosenden Wassern, stürmisch und drangvoll, zusammengehalten von nervösen Klangwänden, die sich abwechselnd vorwärts, rückwärts, aufwärts, abwärts und seitwärts bewegen.

Verschiedene Instrumente erklingen, Arienfetzen wehen vorbei, alles im hart geklopften Rhythmus, der in seiner Ungradzahligkeit jede Restgemütlichkeit austreiben hilft. Für Freunde postmoderner Wohnkultur ein klarer Kauf.