Arafat hat ein Regime der Vetternwirtschaft, in dem Milliarden an arabischen Spendengeldern und europäischen Hilfsgeldern versickern, errichtet. Eine friedliche Lösung wird mit Arafat, der nach seinen Umsturzversuchen in Jordanien 1972 und im Libanon 1976 Tausende von Toten hinterließ und der mit seiner doppelzüngigen Politik seine Untauglichkeit beweist, nicht zu erreichen sein. Palästina braucht eine Zivilgesellschaft

Europa sollte seine Aufgabe darin sehen, Kräfte zu fördern, die tatsächlich einen friedlichen Kompromiss anstreben, statt Terroristen im Rentenalter weiter zu stützen.

Andres Jahnke, per E-Mail

Was Herr Joffe in seiner sonst brillanten Analyse auslässt, ist die Tatsache, dass die Gewalt in Israel/Palästina längst nicht mehr der Staatsgründung der einen oder Sicherheit der anderen Seite dient. Sie ist der wichtigste Faktor zum Erhalt von Macht und Strukturen. Das gilt für Scharon, der sich von den radikalen Palästinensern an die Macht bomben ließ, indem er den Tempelberg besuchte, genauso wie für die Hamas, die im Falle eines längeren Friedens mit Israel an Bedeutung und Einfluss verlieren würde. Auf beiden Seiten versuchen die führenden Eliten, den Konflikt für ihr eigenes politisches Überleben zu nutzen. Sie leben vom Krieg, dem Terror und den Toten und verbauen die Zukunft ihrer Kinder.

Fabian Mosbach, Göttingen

Ich habe den Eindruck, dass Jassir Arafat als wohlfeiler Sündenbock benutzt wird, indem man den Schlingerweg seiner Biografie als ein Exempel beispielloser Charakterlosigkeit qualifiziert, um das tragische Schicksal der Palästinenser, die eigentlich allen nur lästig sind, dahinter verschwinden lassen zu können. Dass sie in allererster Linie Objekte und Opfer sind, offenbar dazu bestimmt, das jüdische Schicksal zu übernehmen, gerät dabei aus dem Blick, sie bleiben schemenhaft im Schatten der verteufelten Gestalt Arafat. Aber in den Urteilen über ihn wird nie die zweite Frage gestellt: Konnte er - innen- und außenpolitisch - überhaupt anders handeln? Immer erscheint die Ohnmacht und Schwäche seines Volkes in der Gestalt des verächtlichen Charakterbildes dieses Mannes, der sich immer geirrt, alle Chancen vertan und sich hoffnungslos disqualifiziert hat. Für Ariel Scharon ist er nicht mehr existent. Dabei ist er für ihn eigentlich unersetzlich, da er sein verbrecherisches Handeln hinter diesem Zerrbild verbergen kann.

Peter Gronau, per E-Mail