Erster Tag, 14.40 Uhr. Pjotr drängt zum Aufbruch. 30 Minuten bleiben bis zur Abfahrt. Rattert uns der Zug vor der Nase weg, sitzen wir hier fest. Der Nächste fährt in 24 Stunden.

14.47. Ankunft auf dem tiefgefrorenen Bahnsteig. Tolles Timing, Pjotr.

Tropfen an der Nase, rote Wangen von der Hatz zum Bus, das hastig zusammengeraffte Gepäck in unserer Mitte. Die klauen hier wie die Raben, flüstert Olga. Im Umkreis von 20 Metern ist niemand zu sehen. Vor einer halben Stunde hat die Nacht das Tageslicht gefressen.

15.10. Abfahrt. Der Zug ist ein Relikt aus den frühen Tagen des Kommunismus, dunkelgrün mit dunkelgrauem Dach, soweit man das unter all dem Dreck erkennen kann, acht Schlafwagen lang. Als hätten wir nicht schon genug hinter uns: eine Woche Dauerfrost, drei Tage - morgens, mittags, abends - Kartoffelpüree mit Schwabbelfleisch und 1000 Kilometer mit russischen Allradfahrzeugen.

Straßen, die nicht wirklich existieren. Aber womöglich war die Autoexpedition zum Polarkreis noch harmlos gegenüber unserer Rückreise: Kursfahrt 615 JA von Usinsk nach Moskau. 32 Stunden rollen, zwölf Stunden stehen.

Gewagt kurze Röcke

15.15. Ratlosigkeit. Sieben Abteile gibt es pro Waggon. Zwei davon sollten eigentlich für uns sein - drei deutsche und vier russische Teilnehmer dieser Tour. Aber alle Coupés scheinen belegt, trotz Reservierung. In erster Linie mit Plastiktüten, dem russischen Universalgepäck. In zweiter Linie mit Menschen, die verdammt wenig anhaben. Nadja, 19-jährige Chemiestudentin, trägt ein schwarzes Trägertop, einen gewagt kurzen Rock, sonst nichts Sichtbares. Valer, die 102 Kilo schwere Grundschullehrerin, nestelt im ärmellosen T-Shirt an ihren nackten Füßen herum. Elena, ihre Tochter, trägt ein getigertes Nichts von Bluse. Zwei Knöpfe sind noch dran. Darunter einen schwarzen BH.