Zu Zeiten, da es noch keine Datenautobahnen gab, ist das Unterwegssein als Lebensform wohl selten so erfolgreich kultiviert worden wie von den Wikingern. Über Nacht konnten sie an jedem Punkt Europas auftauchen, und bekanntermaßen war es nicht gerade sanfter Tourismus, den sie im Sinn hatten.

Die Souvenirs, die sie von ihren Reisen heimbrachten, pflegten sie in den seltensten Fällen zu bezahlen

unzählige Schiffsladungen reicher Beute fanden aus Franken, England, Irland, Russland den Weg in den hohen Norden.

Erstaunlicherweise haben die Wikinger trotzdem in vielen Teilen Europas die Wirtschaft angekurbelt, denn sie waren keineswegs nur plündernde Schurken, wie es das verbreitete Klischee wissen will.

Lichtgestalten aus blondem Reckengeschlecht waren sie freilich ebenso wenig.

Wenn wir die von Peter Sawyer in dem Band Die Wikinger - Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes zusammengestellten Beiträge in ihrer ganzen enzyklopädischen Fülle studieren, so kommt uns bald der Verdacht, dass der eigentliche Wesenskern der Wikinger die Widersprüchlichkeit war. Einerseits waren sie ruhelos, andererseits wurden sie rasch sesshaft, wo immer sie es konnten

einerseits schufen sie Handelswege und Marktplätze, die sie andererseits hauptsächlich dazu nutzten, Schutzgelder (so genannte Tribute) zu erpressen