Die erfolgreichsten Anleger 2002 werden weiblich sein. Frauen, behauptet die Fernsehmoderatorin Carola Ferstl, erkennen "die emotionalen Stolperfallen der Börse", sie "informieren sich besser, bevor sie eine Entscheidung treffen", und vermeiden "unüberlegte Schnellschüsse". So viel weibliche Cleverness - "übrigens immer wieder in Studien nachgewiesen" - lässt sich laut Ferstl sogar in Zahlen messen. Frauen machen mit Aktien mehr Geld als Männer: jedes Jahr zwischen 1,4 und 5 Prozent.

Nach 18 Monaten Baisse und einem kurzen, heftigen Aufschwung, den viele verpasst haben, suchen die Anleger verzweifelt Rat. Wer kennt die richtige Aktienstrategie, wenn die Indizes weltweit fallen - der Dax innerhalb der vergangenen zwölf Monate um knapp 20 Prozent und der Nemax 50 um 60 Prozent?

Wer weiß, auf welche Werte man setzen muss, um den Aufschwung nicht zu verpassen? Und wie entwickelt sich die Börse im neuen Jahr? Einige hoffen auf weibliche Intuition, andere setzen darauf, dass sich wenigstens die Geschichte wiederholt: Drei schlechte Jahre hintereinander habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben, machen sich selbst professionelle Investoren Mut. Zwei aufeinander folgende Jahre im Minus schloss der Dax zuletzt 1965 und 1966. Allein deshalb müsse das neue Börsenjahr im Plus enden.

Doch so einfach funktionieren die Finanzmärkte nicht. Viel spricht dafür, dass 2002 erneut turbulent wird. "Der ganze Markt ist aus den Fugen geraten", sagt Hans-Jörg Schreiweis, der bei der DZ Bank das Geschäft mit Firmenkunden leitet. An der Börse ist nichts mehr, wie es früher einmal war.

Selbst die großen amerikanischen Investmentbanken, in der Vergangenheit notorisch optimistisch, erwarten bestenfalls eine einstellige Rendite. Mehr als fünf bis sieben Prozent Kursgewinn einschließlich Dividende seien für den amerikanischen Aktienmarkt nicht drin, meint Barton Biggs, Aktienstratege von Morgan Stanley - und das für die kommenden fünf Jahre. Richard Bernstein, Chefstratege bei Merrill Lynch, sagt auf Jahressicht sogar unveränderte Kurse voraus. Der Pessimist symbolisiert den Stimmungsumschwung an der Wall Street.

Anfang November löste er die daueroptimistische Christine Callies als Chefprognostiker des führenden Brokerhauses ab

damit distanzierte sich Merrill auch vom alten Leitspruch Be bullish - Sei optimistisch -, wenn's um Aktien geht.