Bin Laden, Elvis, Che, der Fliegende Holländer, Captain Blackbeard, der Yeti: Tot oder lebendig? Falsche Frage. Sie sind längst in das Reich der Mythen eingegangen, existieren also - wiewohl aus verschiedenen Gründen.

Elvis zum Beispiel war, ist und bleibt The King. Er war - nein, ist - der Mann, der für den Rock 'n' Roll, das getan hat, was Bach für die Fuge, Walt Disney für die Literatur und Luigi Lasagne für die Pasta geschaffen hat: ein neues Vokabular, eine neue Grammatik. Indes gehört Osama bin Laden in die Kategorie des Fliegenden Holländers, jenes frevelhaften Kapitäns van der Decken, der sich bei widrigem Winde vermaß, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren, und zur Strafe dazu verdammt wurde, in alle Ewigkeit gegen die Winde zu kreuzen. Bewährung wurde verweigert, weil er auch noch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte. Seither ist er mitsamt Schiff so oft gesichtet worden wie die Videos von Bin Laden.

Sie leben, weil wir sie brauchen. Einmal, um die Langeweile unserer (im Westen) sehr geordneten Existenz zu vertreiben. Dann, um uns Helden oder Schurken von erklecklicherem Kaliber zu verschaffen, als Bunte, Biolek oder Bild hergeben. Schließlich, um Schauer, Abscheu und Erregung zu erzeugen, ebenjenen Urstoff der Mythen, der zusammen mit Gott & Teufel aus unserem Weltbild verschwunden ist. Daher auch der Erfolg von Harry P. und Lord Voldemort, Frodo B. und Sauron von Mordor. Sie haben Elvis, Osama, den Yeti gesichtet? Sie haben richtig gesehen. Sie existieren. Ganz bestimmt. jj