Vermutlich beschreibt dieses Stück etwas ganz, ganz Spätes. Allen geht's gut.

Alle gehen herum in freundlich beziehungslosen Gesprächen, in einer irgendwie bereitschaftslosen Bereitschaft, einer Haltung zum Leben, die den vielen, vielen Plattenspielern ähnelt, die auf dem Tisch herumstehen und auf ihren DJ warten, der nicht kommt, um auf ihnen zu scratchen. Ab und zu spielt mal einer ein bisschen Musik. Helene, Fabian, Daniel, Juliane: ein Ehe-, ein Ex-, ein heimliches Paar, eine Berufsverbindung, eine Freundschaft in Thomas Oberenders Selbstportraits. 48 Details, uraufgeführt am Schauspielhaus Bochum. Anfangs lässt Regisseurin Isabel Osthues sehr viel Nebel wallen, dann merkt sie, alles ist eigentlich völlig klar: vier Personen, sechs logisch mögliche Kombinationen - Oberender hat vielleicht das erste voll strukturalistische Sozialstück verfasst, in dem die Beziehungen formal ganz eindeutig, emotional ganz leer sind. Deshalb ist auch die Szenenfolge, so die Regieanweisung, beliebig. Nichts geschieht. Nicht das Verlassenwerden, nicht der sexuelle Betrug, auch nicht dessen Offenbarung verdunkeln die gleichmäßig ausgeleuchtete Innen-wie-Außenwelt, erhöhen die Temperatur auch nur um ein Grad. Ein weißes Quadrat kann man nicht verbessern, doch man kann hineinschneiden - die bildende Kunst ist da mutiger als das Theater. Osthues poliert die Oberfläche, die Oberender gespannt hat, nur noch weiter und schickt ihre Schauspieler aus, um anderthalb Stunden darauf herumzugleiten.

Im Wind der Spielideen fliegen des Autors Worte wie Atemwölkchen: "Kannst du mich mal berühren?" - "Bleib bei mir. Aber schnell." Warum sollte man?