Gehören Sie auch zu denen, die sich von der Mark-Romantik verabschiedet haben und den Geldbeutel möglichst bald sortenrein sehen wollen? Und - Hand aufs Herz - haben Sie nicht schon die Weihnachtspost genutzt, um das alte Porto aufzubrauchen und den Briefmarkenvorrat durch Euro-Märkchen zu ersetzen? Ein bisschen irrational ist die Eile schon: Beim Geld gilt die Übergangsfrist bis Ende Februar

Europas Postämter gewähren sogar bis Ende Juni Schonzeit. Doch machen Sie sich nichts draus: Die Ökonomie hat all das vorausgesehen.

"Das schlechte Geld verdrängt das gute", prophezeite etwa der Brite Thomas Gresham. Was klingt wie die übliche Polemik der Inselbewohner gegen die Gemeinschaftswährung, ist in Wirklichkeit die Beobachtung eines weisen Mannes in einer Zeit, als vom Euro noch gar nicht die Rede war. Gresham (1519 bis 1579) war Finanzberater von Königin Elisabeth I., Gründer der Londoner Börse und ein wirklich schlauer Kopf. Er stellte fest: Wenn Menschen die Wahl haben zwischen Münzen gleichen Nennwerts, behalten sie die, von denen sie sich dauerhafte Zahlkraft versprechen. Die anderen benutzen sie zum Bezahlen.

Seine Theorie ging als Greshamsches Gesetz in die Lehrbücher ein. Ob er allein die Lorbeeren verdient hat, darüber streiten die Experten bis heute.

Kopernikus, Oresmius und andere Wissenschaftler sollen sich schon 200 Jahre früher den Kopf über das Thema zerbrochen haben.

Nicht ohne Grund. Der Umgang mit mehreren Währungen gehörte früher zum Alltag. Schließlich durfte damals jeder Provinzpotentat seine eigenen Münzen prägen. Fürs Volk war das nicht nur verwirrend, sondern auch riskant. Häufig streckten die Prägeherren das Edelmetall, um das Loch in der Staatskasse zu füllen. Die Münzverschlechterung - eine frühe Form der Inflation - brachte Bürger und Bauern um ihr Erspartes. Da half nur eines: kräftig zubeißen. Je weicher die Münze, desto höher der Goldgehalt. Die Wertprüfung nach Piratenart nützte allerdings nur etwa bis ins Jahr 1400. Danach wurden die Münzen nicht mehr gegossen, sondern geprägt und damit insgesamt härter. Auch in deutschen Landen.

Heute ist Zubeißen ganz und gar zwecklos. Das Gold verschwand aus dem Zahlungsverkehr. Sogar die Golddeckung wurde abgeschafft. Allen deutschen Befürchtungen zum Trotz blieb die Republik - Bundesbank sei Dank - von Inflationskrisen verschont. Auch Parallelwährungen gab es nicht - zumindest nicht im Westen. Das Greshamsche Gesetz geriet in Vergessenheit.

Doch nur bis zur deutsch-deutschen Wende. Wer nach der Maueröffnung nach Ostdeutschland reiste, konnte Lehrbuchweisheiten live erleben. Die Bäcker und Postkartenverkäufer rund ums Brandenburger Tor mussten nicht Ökonomie studiert haben, um zu wissen, dass es sich lohnt, in Westmark zu kassieren und Ostmark herauszugeben. An den offiziellen Wechselkurs hatten sie sowieso nie geglaubt. Und angesichts der nahenden Währungsunion wollten sie die Alu-Chips so schnell wie möglich loswerden.

Ähnlich ist es jetzt mit der Mark. So emotional gerade die Deutschen an ihrer Währung hingen, so rational trennen sie sich von den Münzen und Scheinen, jetzt, wo deren Verfallsdatum klar ist.

Doch nicht nur in Europa erlebt Greshams Gesetz eine Renaissance. Auch Argentiniens Ökonomen täten gut daran, über die Theorie des Briten nachzudenken. Das Land steht finanziell am Abgrund. Die Bindung der Landeswährung Peso an den amerikanischen Dollar konnte nicht helfen. Deshalb soll der so genannte Dollar-Peg abgeschafft werden. Das ist leichter gesagt als getan. Die Notidee einer Zweitwährung namens Argentino hat schon jetzt kaum noch Chancen. Dafür gibt es mehr von den geldähnlichen Schuldscheinen, mit denen der Staat Rechnungen begleicht - auch eine Art Ersatzwährung. Nach Gresham könnten selbst sie dafür sorgen, dass das gute amerikanische Geld aus den Kassen in Argentinien verschwindet. Allerdings dürften die Dollar-Vorräte unter den Matratzen künftig sogar noch attraktiver werden ...