Jedes Mitglied der Butterbrotrunde darf jeweils einen Gast einladen. Als Krupinskis diesjähriges Mitbringsel hatte ich nur eine einzige Bedingung zu erfüllen: Ich musste eine Sorte Butter beisteuern, und ein Brot, das zu dieser Butter passt. Ich entschied mich für einen frisch importierten Ruchbrot-Pfünder aus der Schweiz: ein nicht ganz dunkles 500 Gramm schweres luftiges Weizenbrot mit äußerst knuspriger Krume und herrlichem Ofengeschmack. Als Butter wählte ich Sauerrahmbutter. Sie wird aus Sahne gewonnen, an die zuvor Sauermilchbakterien rangelassen wurden. Sie schmeckt herzhafter, intensiver, und die Gefahr besteht, dass sie gerade weißen Broten die Show stiehlt. Früher war fast jede Butter eine Sauerrahmbutter. Aber die Geschmäcker sind heute anders. Süßrahmbutter ist Standartbutter.

Brot und Butter bilden eine perfekte Verbindung. Getreu der Devise "Reduce To The Max" läuten sie in idealer Weise das Ende der Schlemmertage ein. Wer etwa ein Laugengebäck mit Butter bestreicht, fragt sich, warum er sich an Weihnachten durch ein Dutzend Gänge mit unterschiedlichsten Sößchen und Sättigungsbeilagen gequält hat. Sinnlicher ist das Erlebnis, wenn im Mund ein einzelner Geschmack ungestört explodieren kann. Der Grund für die Intensität: Die meisten Aromastoffe sind nicht wasser- sondern fettlöslich. Die Butter aktiviert sie, die Aromen sind präsenter, und die Geschmackssensoren haben etwas ans Hirn zu melden. Trifft die richtige Butter auf das richtige Brot, jubelt das limbische System.

Vertreten waren an diesem Anlass zwei Sorten Sauerrahmbutter, vier Süßrahmbutter und vier gesalzene. Bei den Broten traten neben dem Ruchbrot an: zwei französische Baguette (die eine von Kamps, die andere aus einer Quartierbäckerei), ein Weizenmischbrot, zwei Hamburger Schwarzbrote, ein Kürbiskernbrot, Laugenstangen, Vollkornsemmeln, ein Gewürzbrot mit Hefe, ein (selbstgebackenes) Böhmisches Osterbrot, Penny-Markt-Toast (der kürzlich bei einem Buttertoast Test am besten abgeschnitten hat!) und ein Olivenbrot. Bei letzterem entschied die Runde nach kurzer Beratung, dass die Olivenkrümel keinen Verstoß gegen die spartanischen Gepflogenheiten darstellen.

Es wurde ein herrlicher Abend. Nicht nur, weil zu vorgerückter Stunde noch eine Flasche Absinth kredenzt wurde und der Vortrag "Wehret der Margarinen-Mafia" etwas für sich hatte, sondern auch, weil sich herausstellte, dass das am Beispiel des Olivenbrots zelebrierte "Nur-Brot-und-Butter"-Dogma jedes Mal schon nach einer Viertelstunde freudig vom Tisch gekippt wird. Seit nämlich bereits beim ersten Treffen "zufällig" einer einen Jamón Serrano in der Tasche hatte, wird inoffizieller-, mittlerweile aber genauso traditionellerweise, nur als Intro spartanisch die Zweikomponentenregel durchgezogen. Danach heißt es plötzlich von allen Seiten: "Ich hätte da noch ...".

So machten schließlich verschiedenste Salami, Käse, Gemüse, Teewürste, durchwachsener Speck und zum Dessert holländische Schokoladenspäne, bitter Orangenmarmelade von Krupinskis Großtante und Nutella die Runde. So richtig spät aber wurde es, weil in stundenlanger kreativer Arbeit eine Kollektion zusammengestellt wurde, mit der man sich nächstes Jahr am Wettbewerb "Butterbrot des Jahres" beteiligen will. Für die diesjährige Ausmarchung waren wir leider zu spät dran. Bereits kämpfen zehn Finalisten auf der Website butterbrot.de um die Meisterschale 2002. Vorjahressieger ist ein leckeres Butterbrot mit Feldsalat aus Chemnitz. Bis 15. März kann jeder seine Stimme abgeben.

Die Krupinski-Clique, der ich nun als fachkundiges Mitglied lebenslänglich angehöre, hat entschieden, dieses Jahr geschlossen für das Frankfurter Modell im Wettbewerb zu stimmen. Nummer 9 ist mit Nutella bestrichen. Und mit Salami, Käse und Paprika belegt.

Herzlich