Nicole will was von Christopher, Christopher will was von Nicole. Sie sind in dem Willste-mitmir-gehn-Alter. Er kommt bei ihr vorbei, sie gibt ihm zehn Minuten. Sie sitzen in Mutters Wohnzimmer, vor sich den Couchtisch und die Kleineleuteschrankwand. Sie sehen sich nicht an. Ob er denn zufällig hier vorbeigekommen wäre? Er: "So würd ich dit sagen." Das ruppige Geplänkel geht weiter, bis er fragt, ob ihr schon mal jemand gesagt hat, dass sie schön ist "wie dit siebente Weltwunder". Hat wohl noch niemand. Sie trinken Eierlikör, wie die Alten. Ihre Geschichte hat begonnen. Und sie findet statt, wenn die Mutter Nachtschicht hat. Es ist eine Geschichte, in der Nicoles Ich-liebe-Dich wie zur Probe gesprochen und äußerst sanft klingt, "schliebedisch". Sie sagt es dem schlafenden Christopher. Sie nuschelt eh.

Und niemand quatscht unnötig rum. Jeder versucht, sein Gesicht gleichmütig zu halten. Mit 15 ist man rau und verletzlich. Und die Liebe hat ihre unerwartet harten Seiten. Nicole und Christopher, das hält nicht von allein. Mein Stern heißt Vanessa Grisebachs Debüt. Darin verbinden sich Spielfilm und Dokumentarfilm wie von selbst. Mein Stern macht keine Aufstände, der Film summiert Szenen. Er ist streng komponiert. Die Regisseurin drehte mit Laien und ohne Penetranz an authentischen Orten in der Mitte von Berlin, die gewiss nicht die neue Mitte ist, sondern Plattenbauten und mit Holztapete beklebte Papptüren und Stullen zum Abendbrot kennt. Es ist eine Geschichte mit ersten Bewerbungsfotos, ersten blöden Jobs, Exjungs, Exmädchen, und mit einem äußerst glaubwürdigen Tonfall bis ins letzte "Komm, hau ab".