Hans Leyendecker: Toll für Sie, wieder in Köln beim WDR zu sein. Wie ist Ihre neue Redaktion?

Sonia Mikich: Ich hatte die üblichen Vorurteile gegenüber den Monitor-Kollegen als ganz grimmige Leute, die sich nicht zum Grinsen verführen noch von der Leichtigkeit des Seins anstecken lassen. Aber das stimmt alles gar nicht!

Leyendecker: Wie viele Redakteure haben Sie?

Mikich: Sechs. Wir bräuchten noch einen Kollegen in Berlin, der dort seine Fühler ausstreckt. Außerdem sind wir wohl nicht genug, um viele langfristige Geschichten zu recherchieren. Früher fragte ich mich, was die Leute bei Monitor die ganze Zeit machen, wenn sie vier Wochen für ein Thema brauchten, plus ihre Hilfstruppen von freien Experten. Ich habe den Arbeitsaufwand unterschätzt und merke jetzt, wie oft anrecherchierte Geschichten nach ein paar Tagen platzen.

Leyendecker: Bei der Süddeutschen Zeitung haben wir den Vorteil, sechsmal pro Woche zu erscheinen. Wir können Themen kontinuierlich verfolgen und kurze Meldungen oder, wenn es der Stoff hergibt, lange Stücke schreiben. Dass den Wochenmagazinen viele Geschichten wegsterben, weiß ich von meiner Zeit beim Spiegel. Kollegen, die leichtsinnig sind, halten trotzdem an den Geschichten fest und spitzen sie total zu, damit sie die Stücke noch bringen können - und damit sie sich nicht gegenüber den Kollegen rechtfertigen müssen, warum sie sie nicht gebracht haben.

Mikich: Ich habe erst eine Monitor-Sendung hautnah mitbekommen. Es wurde sehr gründlich recherchiert und gegenrecherchiert.

Leyendecker: Aber der Monitor-Beitrag über die angeblich falsche englische Übersetzung des jüngsten Bin-Laden-Videos war doch Quatsch. So ein Gutachten wie das zitierte kriegt man heute an jeder Ecke. Das ist nichts wert.