Sitzt der eigentliche Befehlshaber in Washington oder in Berlin? Und der terroristische Gegner? Fährt er Schlauchboot, arabische Dhau oder Seelenverkäufer? Fliegt er heimlich ausrangierte Boeings, oder bevorzugt er nicht doch die bequemen Linienflüge der Saudi Arabian Airlines? Von wo nach wo? Will die deutsche Marine Prisenrecht im Frieden geltend machen? Auch diese Frage, heißt es im Berliner Bendlerblock, sei "noch Gegenstand von Verhandlungen". Jede Butterschiff-Fahrt folgte genaueren Geschäftszielen.

Eine Aktiengesellschaft, die ihre Menschen und Produktionsmittel so ziellos exponiert, die ihre unmittelbare Zukunftsaufgabe und deren Erfolgsaussichten so vage definiert wie die Bundeswehrführung in diesen Tagen, verkäme zum Spott der Börse. Doch hier geht es um mehr.

Afghanistan liegt anderswo

Im November hatte der Bundestag den Einsatz deutscher Soldaten im Antiterrorfeldzug der amerikanisch dominierten Solidargemeinschaft "11. September" genehmigt. Der Bundeskanzler erhoffte sich das Recht auf mäßigende Mitsprache im militärischen Geschehen. Das Schlachtfeld lag in Afghanistan - oder dort, wo Präsident Bush den neuen Weltfeind ortet. "Wer Somalia ausschließt, ist ein Narr", sagte der treuherzige deutsche Verteidigungsminister kurz vor Weihnachten - und wurde von seinem amerikanischen Kollegen Rumsfeld ob seiner Indiskretion abgekanzelt wie ein ungezogener Gefreiter. Die Marschrichtung bestimmt der Stratege im Weißen Haus und nicht - wie hieß er doch gleich? - "this German".

Der darf jetzt die deutschen ABC-Spürpanzer Fuchs nach Kuwait schicken. Afghanistan liegt anderswo. Die gleichen Fahrzeuge besitzt auch der reiche amerikanische Bündnispartner in der Region, Saudi-Arabien: Warum nicht ihn um Beistand fragen? Das Königreich hatte die "Füchse" im Rahmen einer Bestechungsaktion zu Kohls Zeiten erworben. Wo sollen die Deutschen eingesetzt werden? Doch nicht im benachbarten Irak? Gerhard Schröder, Tony Blair und Lionel Jospin hatten eine Ausweitung der Antiterrorkampagne auf den Irak strikt abgelehnt - "ein Abenteuer", in der Tat. Der Bundeskanzler gerät in Erklärungsnöte. Das Parlament muckt auf.

Washington verbucht die Solidargesten seiner Alliierten wie Neujahrsgrüße entfernter Verwandter. Die strategischen Initiativen, Feind-Definition inbegriffen, behält sich der Chief Executive ganz unilateral im Weißen Haus vor. Er ist die Macht, the force.

Für die nächsten vier Wochen haben die deutschen Matrosen genug Treibstoff, Essen, Wasser und Wäsche an Bord. Wie und wann sie aus dem Indischen Ozean oder dem Roten Meer zurückkommen, scheint einzig ihre Sache zu sein. Es ist grotesk: Einen "Exit"-Plan gibt es bisher weder für ihre Kameraden in Kabul noch für sie. Wenn ihre Schiffe wieder in Deutschland anlegen, landen sie womöglich mitten im Wahlkampf. Dann werden wir vielleicht erfahren, was sie vor Somalia getrieben und ob sie "Füchse" gesehen haben.