Kathmandu - das war die erste Enttäuschung beim Versuch, den Konflikt zwischen den Atommächten auf dem indischen Subkontinent zu entschärfen. Einen Monat nach dem Anschlag auf das indische Parlament, bei dem 14 Menschen starben, ist von Entspannung nichts zu spüren. Noch immer rollen Transporte mit Panzern und Geschützen zur Grenze. Der Truppenaufmarsch geht weiter, Hunderttausende Soldaten stehen sich mittlerweile in Kaschmir an der "Kontroll-Linie" gegenüber. "Jeden Tag nähern wir uns mehr einer Situation, die niemand beherrschen kann", sagt der kommandierende General auf der pakistanischen Seite.

Erfolglos blieb auch der Vermittlungsversuch Tony Blairs in Neu-Delhi und Islamabad. Blair und Amerikas Präsident Bush fürchten, in Kaschmir könnte der Kampf gegen den internationalen Terrorismus seinen ersten empfindlichen Rückschlag erleiden. Nicht nur, weil Pakistan einen Großteil seiner Truppen nach Osten verlegt und mancher versprengte Taliban- und Al-Qaida-Trupp nun leichter über die afghanisch-pakistanische Grenze entkommen kann. Der Bestand der noch jungen Antiterrorkoalition selbst wäre in Gefahr, sollten die täglichen Scharmützel zwischen Indern und Pakistanis zum offenen Krieg eskalieren.

Zu schweigen von der Angst vor dem großen Brand zwischen den beiden Atommächten. Allzu oft endeten die Planspiele westlicher Militärs, die einen Konflikt zwischen Indien und Pakistan simulierten, im nuklearen Schlagabtausch. In Russland und China sind diese Sorgen um keinen Deut geringer. Aber die Inder ließen Blair, den ungebetenen Gast, mit leeren Händen weiterreisen. "Indien braucht keine Vermittlung", beschied Außenminister Singh den Regierungschef der ehemaligen Kolonialmacht.

Blairs gescheiterte Mission - das war die zweite Enttäuschung im Nervenkrieg. Jetzt dürfte die Regierung Bush den diplomatischen Druck verstärken und einen Sonderbeauftragten nach Südasien entsenden. Aber auch der könnte die Erfahrung machen, dass Indien - stolz und hochfahrend - das Kaschmir-Problem als rein bilaterale Angelegenheit versteht und sich jede Einmischung von außen verbittet.

Gibt es gute Terroristen?

Musharraf dagegen ist jede Vermittlung willkommen. Bislang beweist Pakistans Militärherrscher im Kampf gegen den Terrorismus Mut und Konsequenz. Er hat seinen Rubikon überschritten, als er mit dem Taliban-Regime in Kabul brach und den Amerikanern Militärbasen zur Verfügung stellte. Jetzt geht er auch gegen die von Pakistan aus in Kaschmir operierenden islamistischen Gruppen vor. Mehr als dreihundert Militante ließ er in den vergangenen Tagen verhaften. Die Führer der beiden Terrororganisationen Jaish-e-Mohammed und Laskar-e-Taiba, denen Neu-Delhi den Angriff auf das Parlament anlastet, stehen unter Hausarrest.

Den Indern geht dies alles nicht weit genug. Sie verlangen das Verbot der separatistischen Gruppen und die Auslieferung von zwanzig führenden Militanten. Erfüllte Musharraf diese Forderung, er wäre "zehn Minuten später gestürzt", schrieb die New York Times.