Gestern:Das von August Thyssen im Jahre 1902 gegründete Stahlwerk Duisburg-Meiderich galt als "Apotheke des Ruhrgebiets", weil in den fünf Hochöfen an die 30 verschiedene Roheisensorten hergestellt wurden; in der 82-jährigen Geschichte des Werkes insgesamt 37 Millionen Tonnen. Im Nassgasometer lagerte man das bei der Stahlproduktion entstehende Gichtgas zwischen, das später zum Antrieb der Maschinen diente. 1983 wurden die Hochöfen und der Gasometer auf den neuesten technischen Stand gebracht. Umso überraschender kam nach nur zwei Jahren das plötzli-che Aus für das Hüttenwerk: Die europaweite Stahlquotenverordnung zwang Thyssen, die Produktion zu senken. In den Hochzeiten arbeiteten 2500 Beschäftigte an den Öfen von Meiderich; die letzte Schicht am 4. April 1985 bestritten nur noch knapp 400 Menschen.

Heute: Der Hochofen 5, der modernste des Werkes, war "besenrein und anblasfähig" verlassen worden; lange Zeit wurde über seinen Verkauf nach China nachgedacht. Erst 1991 beschloss man den Erhalt des gesamten Industriedenkmals als Landschaftspark Duisburg-Nord. Hobbytaucher, die zuvor in den voll Wasser gelaufenen Kellerschächten des Stahlwerkes getaucht hatten, begannen 1995 damit, den Meidericher Gasometer in Europas größte Indoor-Tauchstätte umzuwandeln. Das kreisförmige Becken mit einem Durchmesser von 45 Metern und einer Tiefe von 13 Metern fasst zwei Millionen Kubikmeter Wasser, in dem pro Tag bis zu 100 Taucher die Welt auf dem Grund des künstlichen Sees erforschen können: darunter ein elf Meter langes Schiffswrack, ein künstliches Riff sowie ein Lieferwagen, eine Telefonzelle und ein Schilderbaum.