Roth: Zunächst glaube ich nicht, dass das Gesetz es tatsächlich in sich hat, koalitionsintern gesehen. Ich finde, wir wollen und müssen doch in einer Situation, wo wir wirklich ein Riesenproblem mit der Massenerwerbslosigkeit haben, Offensiven gegen die Arbeitslosigkeit vorlegen. Wir haben Vorschläge gemacht, die in den nächsten Tagen in der Koalition diskutiert werden, und ich glaube, das sind alles sehr vernünftige und sehr gute Vorschläge und sehr logische Vorschläge, denn wir müssen doch endlich etwas unternehmen, nicht sozusagen Arbeitslosigkeit zu verwalten, sondern gegen Arbeitslosigkeit anzugehen und die Arbeitslosen in den Mittelpunkt zu stellen. Was ist ein Hauptproblem in unserem Land? Ein Hauptproblem ist, dass es z.B. sehr viele Langzeitarbeitslose gibt, die aus dem Arbeitsmarkt raus sind. Wir wollen mit einem befristeten Einstiegsgeld Brücken in den Arbeitsmarkt zurück bauen, dass Menschen überhaupt wieder in die Arbeit zurückkommen. Wir wollen Anreize bieten, durch die gestaffelte Bezuschussung von Sozialbeiträgen die Teilzeitmauer einzureißen, also Vorschläge - glaube ich -, die sehr diskutabel sind und die in den nächsten Tagen auch diskutiert werden. Wir wollen, dass die - ich sage noch die alte Währung - 630 Mark Jobs entbürokratisiert werden, es ist wirklich für viele sehr schwierig, die Verwaltung dieser Jobs durchzuführen. Und wir wollen die Kinderbetreuung der Mütter erleichtern, damit auch für Frauen die Rückkehr ins Arbeitsleben ermöglicht wird.

Simon: Diese Maßnahmen würden ungefähr eineinhalb Milliarden Euro kosten. Wie wird das finanziert?

Roth: Wissen Sie, wenn ich sehe, in welchem hohen Ausmaße Arbeitslosigkeit in unserem Land ein großes Problem, dann ist es ja auch etwas, das sehr viel Geld kostet, und ich finde, man muss jetzt ganz deutlich machen, dass man auch investieren muss, um Arbeitslosigkeit zu überwinden. Das wird natürlich etwas kosten, das ist klar, aber es gibt auch Vorschläge von Herrn Riester, Modelle jetzt schnell einzuführen, die auch Geld kosten würden, was z.B. in Rheinland-Pfalz praktiziert wird. Ich will jetzt nicht über Summen spekulieren, sondern ich will sagen, wir werden in den nächsten Tagen mit diesen offensiven Vorschlägen deutlich machen, dass es ein ganz großes Anliegen der Grünen ist, dass wir Menschen, die lange arbeitslos waren, aus dieser Situation rauskriegen und wieder in den Arbeitsmarkt integrieren.

Simon: Glauben Sie denn, dass Sie mit Beschäftigungspolitik Wähler gewinnen können? Das ist ja nicht unbedingt das Feld, wo man den Grünen in der Bevölkerung viel Kompetenz zuspricht.

Roth: Wir beweisen, dass wir kompetent sind, dass wir neue Vorschläge machen, dass wir auch ungewöhnliche Vorschläge machen. Wir können uns nicht zurücksetzen und sagen, das ist ein Thema, was vielleicht nicht sehr mit den Grünen verknüpft wird, sondern es ist ein Thema, das auch die Zukunftsfähigkeit der Rot-Grünen Regierung betrifft, und deswegen ist es ein zentrales Thema für die nächste Zeit.

Simon: Aber Sie stehen bei diesem Thema indirekt in Konkurrenz mit der SPD. Wollen Sie da Ihre Stimmen holen?

Roth: Nein, wir sind ja nun in einer Regierung, und jetzt geht es nicht darum, dass wir Vorschläge machen, um möglichst viele Stimmen zu holen, sondern jetzt geht es darum, dass wir die Arbeitslosigkeit bekämpfen, und dass wir Menschen unterstützen, die nicht in den Arbeitsmarkt können oder keine Anreize empfinden oder genügende Unterstützung für Kinderbetreuung bekommen, und daran wird sich auch der Erfolg dieser Bundesregierung messen lassen. Das ist keine wahltaktische Frage, dass wir uns mit diesem Thema befassen, sondern wir haben seit langer Zeit gedrängt, dass es Offensiven gibt, weil wir die Situation ändern wollen, weil wir in diesem Land etwas ändern wollen, wie wir es auch in anderen Bereichen wesentlich mit angestoßen haben.