Der Euro ist da, aber nicht ganz hier - auf der Insel. Vergangene Woche waren die Briten deshalb ziemlich aus dem Häuschen. Das Wort der Woche lautete Euro creep: Die europäische Währung schleicht sich durch die Hintertür auf die Insel. 13 Millionen Touristen aus Euroland werden im kommenden Jahr erwartet, und sie alle können mit ihrer neuen Währung Unterwäsche und minced pie bei Marks & Spencer kaufen oder mit ihren Euro von britischen Telefonzellen aus telefonieren. Im Gegenzug werden die Briten von ihren 40 Millionen Reisen auf den Kontinent die bunten Scheine mit nach Hause bringen - und könnten damit ihre Autos bei BP voll tanken. Auch die Gasrechnung lässt sich in Euro bezahlen, ja, sogar die Steuern.

Wird die Prophezeiung von Hans Eichel wahr, dass der Euro bald zu Großbritanniens "zweiter Währung" avanciert? Was den britischen Euro-Gegnern eine rechte Schreckensvision ist, die helfen soll, Anhänger zu mobilisieren, passt den Euro-Befürwortern prächtig ins politische Konzept. Simon Buckby, Direktor der Initiative Britain in Europe triumphiert: "Die Antieuropäer können wohl versuchen Großbritannien aus dem Euro rauszuhalten, aber sie können den Euro nicht aus Großbritannien fernhalten."

Zwei Drittel aller Briten lehnen den Beitritt noch ab - Euro creep soll das ändern. "Der Euro ist nun keine mystische Währung mehr", freut sich Euro-Vorkämpfer Philippe Legrain, der früher die Welthandelsorganisation WTO beriet. "Die Briten werden merken, dass Deutschland genauso deutsch und Frankreich genauso französisch ist wie vorher. Sie werden begreifen, dass eine gemeinsame Währung keine Bedrohung für ihre nationale Identität darstellt."

Zurück gibt's nur Pfund Sterling

Viel Lärm - um nichts? Eine Menge spricht dafür, dass der Euro eine Fremdwährung wie der Dollar bleiben wird. Bei Marks & Spencer etwa konnten europäische Touristen schon seit Jahren mit Mark, Peseta oder Franc bezahlen. Wechselgeld gab's in Sterling, und das ändert sich auch beim Euro nicht. David Southwell, Vertreter des nationalen Einzelhandelsverbandes, glaubt nicht an die Theorie vom Euro creep: "Das ist ebenso unwahrscheinlich wie ein Dollar creep." Solange die Briten ihr Gehalt in Pfund Sterling beziehen, haben sie kaum einen Grund, ihren Steuerbescheid in Euro zu begleichen.

Der Euro schleicht sich auf die Insel - das ist nicht mehr als eine Marketingidee der Euro-freundlichen Regierung. Oder zumindest des Premierministers Tony Blair, der in seinem Enthusiasmus von keinem seiner Kabinettskollegen zu schlagen ist. "Jetzt, da der Euro Realität geworden ist, kann Großbritannien den Kopf nicht in den Sand stecken", mahnte er kaum 48 Stunden nach der Umstellung. Doch so sehr Blair auch für seinen Standpunkt wirbt, Labours Europapolitik ist fest in der Hand des wesentlich kritischeren Schatzkanzlers Gordon Brown. Dieser bestimmte 1997 die Marschrichtung der Regierung, als er dem Parlament fünf wirtschaftliche Kriterien präsentierte, die erfüllt werden müssen, bevor ein Volksentscheid herbeigerufen wird. Diese "fünf Tests", angeblich einst von Brown und seinem damaligen Berater Ed Balls auf der Rückbank eines Taxis in den USA ausgeheckt, sind hart: Die Wirtschaftszyklen auf der Insel und dem Kontinent sollen kompatibel sein; zu erwartende Abweichungen sollen flexibel abgefedert werden können; ein Beitritt müsste mehr ausländische Investoren anlocken; die britischen Finanzdienstleister müssten wettbewerbsfähiger werden; und schließlich in Browns eigenen Worten: "Wenn eine einzige Währung sich als vorteilhaft für britische Jobs, britische Unternehmen und den zukünftigen Wohlstand des Landes erweist, ist es prinzipiell richtig, ihr beizutreten."

Stellt sich also die Frage, wie sich die britische Wirtschaft außerhalb der Euro-Zone entwickelt hat und wie es um die Erfüllung der wirtschaftlichen Kriterien steht. Das Ergebnis: Viele Argumente gibt es nicht, um die Kritiker zu überzeugen.