Der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof vertritt die Meinung: "Der Staat muss die rechtliche und ökonomische Benachteiligung der Familien abbauen. Das Rentenrecht enteignet die Mütter, unser Sozialrecht diskriminiert die Familien, das Berufsrecht erkennt die Erziehungsleistung der Eltern nicht an, obwohl der Staat diese Erziehungsleistung, wenn sie etwa im Kindergarten oder in der Schule erbracht wird, selbstverständlich honoriert."


Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, fordert ein bedarfsgerechtes flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen von der Geburt bis zum zwölften Lebensjahr. Sie setzt sich für die Reformierung des Ehegattensplittings ein: "Ein Drittel der Paare ist kinderlos, mehr Geld soll dorthin fließen, wo Kinder sind, zum Beispiel in den Ausbau der Kinderbettreuung."

Die Bundesministerin: "Wir müssen Familie wieder als etwas Normales sehen, das Glück bringt, aber auch Spannungen und Verzicht."


Bei Kindern aus ärmeren Schichten verdichten sich die Probleme, wie die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen. Jugendforscher Ingo Richter in der neuen Ausgabe schreibt über die Möglichkeit deutscher Politiker, diesen Kindern mehr Chancen zu gewähren: "Die Aufmerksamkeit ist da. Bund, Länder und Kommunen investieren auch mehr Geld in den Problemvierteln der Städte. Aber Sozialarbeit ändert wenig daran, dass viele Familien in unteren Schichten, insbesondere in Migrantenfamilien ihren Kindern nicht das soziale und kulturelle Kapital mitgeben können, das sie dazu befähigt, die geforderten Leistungen in den wesentlichen Schulfächern zu erbringen. Hier hat die Bundesrepublik ihre sozialstaatliche Aufgabe nicht erfüllt."