Bin ich nun für Stoiber oder für Schröder? Diese Frage möchte ich abschließend erst am 22. September 2002 beantworten. Aber schon jetzt bin ich dafür, dass Edmund Stoiber kandidiert. Die drei Gründe lauten: Merkel, Stoiber, Schröder.

Zu Angela Merkel: Sie ist oft unterschätzt worden. Aber oft heißt eben nicht: immer. Wer sie für eine potentielle Kanzlerin gehalten hätte, hätte sie im entscheidenden Fall überschätzt und die Regel bestätigt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Zu Edmund Stoiber: Dass er sein Geschäft in Bayern versteht, hat er vielfach bewiesen - dass er Fehler macht, auch. Es ist besser, dass er kandidiert, als dass er zu lebenden Legende der Union wird, nach dem Motto: Wenn wir damals nur den Edmund 'rangelassen hätten… Denn alle paar Jahrzehnte muss die CSU gestellt werden und aus der bequemen Rolle der Dreifachopposition (gegen die "Roten", gegen die anderen Schwarzen - und gegen die da in Bonn/Berlin) herausgefordert werden: Wenn es dann nicht reicht, ist wieder ein bisschen und für eine Weile Ruhe am rechten Rand. (Was aber, wenn doch? Dann muss die rechte CSU plötzlich die "linke" CDU integrieren.)

Zu Gerhard Schröder: Zu lange hat er im Grunde zu bequem regieren können - der Mann mit den vielen Optionen. Jetzt hat er erst einmal anstelle der Optionen eine richtige Opposition, wenigstens für den Wahlkampf. Und unter dem doppelten Druck der realen Problem und einer real existierenden Opposition muss und kann er nun zeigen, aus welch hartem Holz er ist - oder nicht; zumal da ihm noch einige Nackenschläge drohen, aus dem halb rot-roten Sachsen-Anhalt am 21. April und aus dem ganz rot-roten Berlin, und das das ganze Jahr lang.

Mit einem Satz: Das Jahr wird wenigstens spannend, wenigstens bis zum 22. September.

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