Bis zur Unkenntlichkeit normal, angepasst und locker erschienen sie auf den Überwachungsvideos, die Selbstmordattentäter des 11. September.

Schläfer eben, bis dahin scheinbar harmlose Mitbürger. Seither verstört genau diese Normalität die verunsicherten Passagiere beim Check-in, im Wartesaal oder an Bord des Flugzeugs: Wonach soll man eigentlich Ausschau halten? Woran erkennt man den Feind?

Seit dem 22. Dezember haben die suchenden Blicke ein erstes Ziel: die Schuhe.

Je genauer die Flughäfen kontrollieren, umso kreativer werden die Kriminellen. Ein Wettbewerb, der vermutlich nie endgültig entschieden sein wird. Der verhinderte Selbstmordattentäter Richard Reid, der kurz vor Weihnachten ein Flugzeug der American Airlines von Paris nach Miami in die Luft jagen wollte, hatte in den Sohlen seiner Plateauschuhe Plastiksprengstoff versteckt. Dieser ist im Gegensatz zu Dynamit plastifiziert, also form- und knetbar. Eine Eigenschaft, die Terroristen weltweit zu nützen wissen. Semtex etwa, ein tschechisches Produkt, wurde nicht nur der Sprengstoff der IRA. Beim Lockerbie-Anschlag 1988 und zuletzt beim Selbstmordanschlag auf das indische Parlament wurden Semtex-Sprengsätze benutzt. Ob die Menge in Richard Reids Schuhen gereicht hätte, das Flugzeug ernsthaft zu beschädigen, ist noch unklar. Trotzdem: Unförmig dicke Sohlen sind wohl auf absehbare Zeit erst mal verdächtig.

Dabei gelten Schuhe im Flugverkehr schon seit längerem als Sicherheitsrisiko.

Zwei Wochen vor dem versuchten Anschlag hatte die amerikanische Bundespolizei FBI gewarnt, Passagiere könnten darin Waffen verstecken. Ein Flugzeugentführer auf den Philippinen hatte auf ebendiesem Weg seine Waffe an Bord geschmuggelt. Während das mittels Röntgenstrahlen durchleuchtete Handgepäck als weitgehend clean gilt, haben die Tordetektoren, durch die jeder Passagier hindurchmuss, zwei Schwächen: Zum einen reagieren sie nur auf Metall. Sind aber, wie bei Reid, Sprengstoff sowie Zünder und Zündschnüre nichtmetallisch, entdeckt das System - ebenso wie die runden Handsonden - nichts Verdächtiges. Darüber hinaus, sagt Klaus Amberg ( * ), hätten die gängigen Detektoren eine Schwäche im Fußbodenbereich. Sie sind für zügig in der Bodenebene bewegte metallische Gegenstände unempfindlich. Amberg ist Experte für Flughafensicherheit

er konzipiert für eine amerikanische Firma Detektorsysteme, mit deren Hilfe Koffer auf Plastiksprengstoff untersucht werden können.