DuBose Heyward: Porgy

aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann

Manesse Verlag, Zürich 2001

270 S., 19,90 e

Die meisten kennen die Songs Summertime und I Loves You Porgy, andere die 1935 uraufgeführte Oper Porgy And Bess von George und Ira Gershwin sowie DuBose Heyward, nur wenige den Roman, der all dem zugrunde liegt. Er ist mehr als Ausgangspunkt, er ist ein ganzer Kosmos. In beinahe klassischer Manier neu übersetzt, liegt Charleston, Catfish Row 1925, nun wieder auf deutschsprachigem Boden, der Hauch von Dialekt gibt dem schwarzen Idiom die nötige Distanz. Porgy, der Krüppel, sitzt im Schatten der Häuser, bettelt, würfelt, wartet, bis Bess ihn trifft und sich hinter seiner Liebe versteckt.

Er versucht, sie vor ihrer Leidenschaft für einen Mörder und vor dem Glückspulver zu bewahren. Vergeblich, wie man hörte. Mehr als der (variierte) Plot überrascht jedoch die poetische Präzision, mit der ein aus verarmtem Südstaatenadel stammender Weißer, DuBose Heyward, die Nähe von Leben und Tod bei den Schwarzen festhält. Doch Porgy ist so wenig an Charleston gebunden wie Romeo an Verona. Etwas archaisch Klares durchzieht diesen Roman. Allein die Beschreibung des Hurrikans ist eine literarische Offenbarung. Das kräftige, engagierte Nachwort von Michael Naura passt zum schlanken Manesse-Bändchen.

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