Ronnie Gibbons hat eine sichere Methode, Leute zum Schweigen zu bringen.

Sie braucht nur ihren Beruf zu nennen. Dann ist Ruhe. Die einen verstummen irritiert, weil sie denken, sie würden veräppelt. Die anderen schweigen erwartungsvoll, weil sie meinen, Gibbons mache einen Witz, und die Pointe komme gleich. Auf Anhieb geglaubt hat es ihr noch niemand, wenn Ronnie Gibbons sagte: Ich bin Fußballprofi.

Mittags um zwölf auf dem Parkplatz der Universitätssportanlage in New Malden, Südlondon, fällt es tatsächlich schwer, ihr zu glauben. Kein Porsche, kein Lamborghini, kein Ferrari ist zu sehen - Autos, die üblicherweise das Trainingsgelände von Profis markieren. Stattdessen Kleinwagen. Das höre ich immer, wenn ich erzähle, was ich mache: >Oh, dann hast du so tolle Autos wie David Beckham, dann du verdienst so viel Geld wie Michael Owen!<, sagt Gibbons. Ich muss dann gestehen: Äh, nicht wirklich. Sie sitzt im schmucklosen Aufenthaltsraum des Klubheims. Das Essen, Curryhuhn mit Reis, wurde gerade abserviert. Auf den Tischen liegen ein paar Boulevardzeitungen, im Nebenraum läuft ein Video. Bis zur nächsten Trainingseinheit sind noch anderthalb Stunden totzuschlagen. Profialltag.

Seit anderthalb Jahren bezahlt der Londoner Stadtteilklub FC Fulham die 21 Jahre alte Gibbons und 15 weitere Sportlerinnen fürs Fußballspielen

zwischen 5000 und 15 000 Pfund im Monat gibt es zu verdienen und im Vergleich zu den männlichen Profis ein Sonderrecht im Vertrag: Mutterschutz. Frauenfußball mag in den vergangenen Jahren weit gekommen sein, das Endspiel der Europameisterschaft im Juli 2001 in Ulm zwischen Deutschland und Schweden sahen 18 000 Menschen - doch dass Fußballprofis nun auch weiblich sein können, ist ein Kuriosum geblieben. In den USA, wo Soccer grundsätzlich als Sport für Frauen, Kinder und Memmen gilt, existiert seit April erstmals eine Profiliga. In Europa ist Fulham die erste und einzige Profielf.

Die Idee, den Frauenfußball zu professionalisieren, kommt von einem gebürtigen Araber und Multimilliardär. Mohammed al-Fayed, Besitzer des FC Fulham, hatte sie, als er 1999 in Amerika ein paar Partien der Frauenweltmeisterschaft sah. Für ungewöhnliche Projekte hat sich al-Fayed schon öfter hergegeben. Als sein Sohn Dodi im Spätsommer 1997 an der Seite von Prinzessin Diana bei einem Autounfall ums Leben kam, engagierte der Vater eine Privatdetektei, um absurde Verschwörungstheorien beweisen zu lassen. In Fulhams Männerteam investierte der ägyptische Handelsmann, Besitzer des berühmten Londoner Kaufhauses Harrods, nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren 250 Millionen Mark, um die Elf von der dritten in die Premier League zu hieven. Da kommt es auf ein paar Pfund Spesen für die Frauen nicht an.

Weniger Gehalt als die Männer - dafür schießen sie mehr Tore