Ökotourismus darf nicht mehr nur eine Nische für Studienräte und Oberstudienräte sein, forderte Bundesumweltminister Jürgen Trittin erst vor kurzem. Umweltfreundlicher Tourismus ist noch ein kleiner, aber schnell wachsender Markt, heißt es in einer Studie der Vereinten Nationen. Den besten Überblick über diesen zwar kleinen, aber bunten und inzwischen vielfältigen Reisemarkt gibt der Reisepavillon in Hannover, der in diesem Jahr vom 18. bis zum 20. Januar stattfindet. Der Marktplatz für anderes Reisen, eine Mischung aus Messe- und Informationsveranstaltung, versteht sich als Forum für sozialverantwortlichen und umweltfreundlichen Tourismus jenseits des marktgängigen und konfektionierten Massentourismus. Die diesjährige 12. Auflage ist zugleich die deutsche Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr des Ökotourismus, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben. Dem Anlass entsprechend, geben sich die Ehre: Francesco Frangialli, Generalsekretär der Welttourismusorganisation (WTO), Bundesumweltminister Jürgen Trittin und Edda Müller, Vorsitzende der Bundeszentrale Verbraucherschutz.

Was im Jahr 1991 mit 37 Ausstellern als regionale Reisekiste für die klassisch-alternative Müsli und Wollsocken-Klientel begann, hat sich mittlerweile zu einer professionell organisierten und gut besuchten Tourismusmesse mit internationaler Ausstrahlung entwickelt: ein Treffpunkt für Reiseveranstalter, Vertreter touristischer Zielgebiete, Wissenschaftler, Journalisten und Reisende, ein Seismograf für aktuelle Reisetrends im Bereich des nachhaltigen Tourismus.

Rund 250 Aussteller aus 20 Ländern zeigen diesmal auf dem Marktplatz in Hannover ökologisch Flagge: von der Aktion Fischotterschutz, China by Bike und dem Gasthof Zur Krone (Rhönschaf-Hotel) über Gomera Trekking Tours, Sanftes Lesbos und Svadilfari-Reittouren (durch Islands wilden Westen) bis zu Belleville insolite (Stadtteilführung in Paris), amnesty international und der Naturfreunde Internationale. Alles überwiegend Veranstalter und Betriebe, die Reisen für kleinere Gruppen anbieten, in der Regel wenig Geld für Werbung und Marketing haben und deren Angebote nicht im Reisebüro zu buchen sind. Ihr gemeinsamer Anspruch soll sein: ein ganzheitlicher Tourismus, der sensibel und verantwortlich ist, Rücksicht auf Land und Leute nehmen will, der in den Zielgebieten die Natur schützt und die Einheimischen respektiert. Aber nicht mit säuerlicher Miene und moralischem Zeigerfinger, sondern mit Lust auf anderes Reisen.

Im Jahr des Ökotourismus wurden auch alle großen Reiseveranstalter schriftlich eingeladen, sich an der Messe zu beteiligen und ihre grünen Seiten zu zeigen. Doch Konzerne wie TUI oder Thomas Cook werden durch Abwesenheit glänzen. Keiner hat geantwortet. Die Großen haben unser Angebot nicht angenommen. Für sie ist die Umwelt weniger en vogue als je zuvor, sagt Anke Biedenkapp, die Organisatorin des Reisepavillons. So taucht Wolf Michael Iwand, der Umweltbeauftragte der TUI, lediglich als Zaungast bei einer Diskussionsveranstaltung auf. Dabei könnten gerade Reisekonzerne mit ihrer ökonomischen Macht einiges bewegen, erklärt Biedenkapp: Wenn die TUI in einem Zielgebiet ein Klärwerk fordert und durchsetzt, ist das ein wichtiger Beitrag zum technischen Umweltschutz.

Ein Schwerpunkt des Reisepavillons lautet Urlaub in Großschutzgebieten.

Bisher haben die Interessenvertreter in den Naturparks, Nationalparks und Biosphärenreservaten den Tourismus eher als Schädling und Touristen als Eindringlinge begriffen. In Zukunft wollen sich die meist abgelegenen, strukturschwachen Schutzgebiete, flankiert von der Lust auf Natur-Marketingkampagne der Deutschen Zentrale für Tourismus, für eine Partnerschaft von nachhaltigem Tourismus und Naturschutz einsetzen. Die Frage, inwieweit man den Reisenden die Schutzgebiete verstärkt öffnen und sie gleichzeitig von der Notwendigkeit des Naturschutzes überzeugen kann, wird auf einem Symposium von Naturschützern und Touristikern diskutiert werden.

Das Forum International ist ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt. Auf Initiative der Welttourismusorganisation und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) stellen sich 30 kleine und mittlere touristische Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern von Bolivien über Laos bis Jemen der Öffentlichkeit vor. Die Projekte seien nach ihrer Größe, Sozial- und Umweltverträglichkeit ausgewählt worden, erläutert die GTZ-Koordinatorin Birgit Steck. Im Rahmenprogramm mit Vorträgen und Diskussionen wird unter anderem die Kernfrage Armutsminderung durch Tourismus gestellt werden.