Es gibt noch Leute in Deutschland, die sich umdrehen und gucken, wenn an ihnen ein Smart vorbeifährt. Zum Beispiel Menschen in der Mercedes-A-Klasse, die über den kleinen Bruder lachen - als wäre er der größte Witz auf Rädern.

Oder neugierige Gucker am Straßenrand, die dem Smart hinterherschauen, als hätten sie noch nie einen gesehen.

Auch ich habe ihm schon öfters hinterhergeschaut - rätselnd, ob wir Freunde werden könnten. Ob es vernünftig wäre, umzusteigen von meinem Golf. Ob es ein Problem wäre, keinen Kofferraum mehr zu haben, keine Rückbank und, ja, vielleicht auch ein entscheidendes Stück weniger Sicherheit. Wie machte sich der Smart in meinem Alltag, wenigstens auf allen Fahrten, auf denen ich mich abseits der Autobahn und unter Tempo 100 bewege? Ich wollte einen Wintertest machen und bestellte einen weißen Smart & Pulse - die bescheidene Sportversion mit 61 PS.

Mehr als 100 000 Leute kauften sich im letzten Jahr einen Smart. Die Hälfte von ihnen hat dafür ihr altes Auto aufgegeben, meist einen Golf. Gebracht hat es ihnen vor allem, dass sie heute weniger Geld ausgeben für Steuer, Versicherung und Sprit. Und sie genießen nun eine Reihe von Vorzügen, die man nur mit einem Augenzwinkern in einer seriösen Autodebatte anbringen darf. Die praktischen Dosenhalter etwa, die intime Nähe zwischen Pilot und Copilot und nicht zuletzt die bei 2,50 Meter Länge gewissermaßen eingebaute Option zum Querparken. Andererseits nehmen Smart-Besitzer in Kauf, dass sie ein Auto fahren, das aussieht wie ein überdimensionierter Skischuh. Kann das überhaupt ein Auto sein?

Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss nach rechts, einmal, zweimal. Keine Reaktion. Das Getriebe steht auf N, so wie es sein soll. Doch im Kombiinstrument, der LED-Anzeige im Cockpit, erscheint ein Schlüsselsymbol.

Das ist die Wegfahrsperre. Was zu tun ist, weiß ich nicht. Die Bedienungsleitung muss her. Aha. Das Einladen meiner Einkäufe war schuld. Der Wagen darf nicht länger als fünf Minuten offen stehen, sonst rastet die Sperre ein. Das Öffnen und Schließen der Zentralverriegelung behebt das Problem.

Jürgen Schrempp, Chef von DaimlerChrysler, sagte vor drei Jahren, dass die Zeit vielleicht noch nicht reif sei für den Smart. So klang die ranghöchste Enttäuschung über den schlechten Start der Marke, deren Idee bei Daimler-Benz seit 1971 gedieh. Die Leute wollten 1998 lieber abwarten und gucken.