Beim Skispringen ist es so: Wer am weitesten nach unten kommt, steht am Ende ganz oben. So geschah es viermal mit Sven Hannawald

erst in Oberstdorf, dann in Garmisch-Partenkirchen, in Innsbruck, schließlich auch in Bischofshofen. Mit jeder Landung ließen ihn die Zuschauer unten im Auslaufoval lauter hochleben, immer berauschter begrüßten sie ihn mit einem neuen Namen - denn wen sie liebt, dem verleiht die Nation ein Zärtlichkeits-i: Franzi, Steffi, Hanni. Dieser Hanni, 27, im Erzgebirge geboren, doch längst als Schwarzwälder geführt, hat die Vierschanzentournee im 50. Jahr ihrer Aufführung als erster Sportler zu einer Viersiegetournee gemacht. Als Erster auch deshalb, weil er 1998 mit einem Erfolg beim Schlussspringen in Bischofshofen dem Japaner Kazuyoshi Funaki den Totaltriumph verwehrte - so bereitet man sich selbst den Weg. Fast hätte Hannawald ihn sich auch selbst verbaut, weil er lange Jahre dachte, dass nur Leichtgewichte fliegen. Ein Foto aus dem Sommer 1999, der Sportler spindeldürr auf einem Surfbrett, nährte Magersuchtsgerüchte, fortan löffelte der Springer Quark, auf seiner Autogrammkarte und auch im wahren Leben. So ist nun Hanni aus ihm geworden, kein Hannimator, kein Sven-Supereagle, statt Ehrfurcht schwingt in seinem Kosenamen mütterliches Tätscheln mit. Denn ein Schwergewicht ist Hannawald auch jetzt nur in sportlicher Dimension.