Der bundesdeutsche Mainstream tat sich immer schwer mit dem künstlerischen Politikum "Familie Mann". Breloer hat einiges bewirkt mit seinem Fernsehopus. Noch nicht alles: Dass gleich zwei Brüder Mann politisch so weit links und literarisch so weltläufig operierten, war dem bundesdeutschen Spießer immer suspekt. Das löst sich nicht nach 50 Jahren - das ist die bittere Wahrheit. Heinrich wurde jahrzehntelang nur in der DDR gedruckt und gelesen, Thomas war immer eine antifaschistische gesamtdeutsche Institution. Das hat Breloer trotz nobler Haltung nicht gewagt zu zeigen.

Stattdessen stößt er Heinrich weiterhin ins schwule Halbdunkel sexueller Obsession, statt ihn als hellsichtigen Matador einer neuen deutschen Aufklärung in Essay und Roman zu präsentieren. Leider haben die deutschen Linken (diesmal vom Steidl Verlag in Göttingen) nichts Besseres zu tun, als die mittelmäßigen erotischen Skizzen eines Romanciers zu entdecken, dessen Henri Quatre und dessen Atem längst auf die Bestsellerlisten gehörten. Was soll da das komplette Zitieren eines beschämenden Briefes von Katia Mann bewirken?

Harald Kretzschmar Kleinmachnow