Wenn man einen Traum aufschreibt, ist er schon manipuliert. Jedes Wort, das man findet, beschreibt womöglich nicht die genaue Bedeutung dessen, was man wirklich empfindet, wonach man wirklich auf der Suche ist. Schon über Träume zu reden birgt die Gefahr, dass man sie mit jeder Silbe weiter von sich weg schiebt, statt sie bei sich zu behalten. Wenn ich sage: Ich habe einen Traum, dann begebe ich mich in die Gefahr, ihn zu verraten. Sollte man Träume nicht besser für sich behalten? Ich bin inkonsequent.

Immer noch, Monate nach dem 11. September, wühlt mich auf, was in New York geschah. Wie konnte es zu dieser Zäsur kommen, die so viele Menschen das Leben kostete? Hass kam vor diesem Anschlag, Hass rief dieser Anschlag hervor, und Hass bestimmte die Reaktionen danach.

Ich versuche zu verstehen, was da passiert ist. Ich versuche zu ergründen, wie viele andere 11. September es schon gegeben hat, die einfach so an uns vorbeigegangen sind, weil es irgendwo geschah, aber nicht an diesem prominenten Ort. Was führt zu derartigen Exzessen?

Was ist da in uns, was niemand entschlüsseln kann oder aber niemand entschlüsseln will? Genforscher isolieren Gene, aber sie wissen deshalb noch lange nicht, welche Energien diese Gene bündeln: Ich nenne es das Nichtstoffliche, was uns so fremd ist. Der Antrieb in uns allen ist immer noch unerforscht, und mein Traum ist, ihn definieren zu können. Ich begebe mich auf eine Forschungsreise - indem ich mich in Blut verwandele.

Blut fließt und fließt und fließt. Umspült und durchspült Adern und Venen, aber auch feine Verzweigungen, die wie Weggabelungen mal nach links, rechts, oben oder unten irgendwohin führen. Ein immer gleicher Weg.

Wirklich? Das Netzwerk des Menschen, seine feinen Verästelungen unterhalb des Sichtbaren, lässt mir keine Ruhe. Was entsteht beim Tanzen für eine Mechanik, die sich erotisch, aggressiv, hölzern oder anmutig ausdrückt? Was passiert hinter unseren Stirnen an chemischen Prozessen, wenn wir auf etwas reagieren oder anfangen zu agieren?

Ich ahne: Wenn man alles wüsste, würde man nichts mehr wissen wollen.