Seine Kindheit verlief in einer Atmosphäre bürgerlicher Ordnung und Musikalität. Sein Vater war Domkapellmeister. Er erinnerte sich, schon auf der Schiefertafel seine Mutter gezeichnet zu haben. Als man den etwa Zehnjährigen fragte, was er werden wollte, antwortete er: Maler oder irrender Ritter. Es stellte sich bald heraus, dass er sehr begabt war ...

Schon seine Probearbeit erregte Aufmerksamkeit. Anlässlich einer Ausstellung in M. wurde ein großer französischer Gast auf ihn aufmerksam. So begann sein früher Erfolg.

Doch später schrieb ihm seine Mutter:

Mein lieber ... !

Wie mir Jean in seinem letzten Brief berichtet, so werdet Ihr von neuem wieder zusammen wohnen. Es ist mir eine Genugthuung, Dich wieder in München zu wissen, und ich hoffe, daß Schider ... diese Zeilen Dir in München einhändigen dürfte - jedoch ist der 23. ein Tag, der Dich und mich so nah berührt, daß ich mich veranlaßt finde, denselben mit Dir zu besprechen. Es war nemlich Dein Dreißigster Geburtstag. Da Du durch dieses Alter in das Stadium des Mannes getreten, so seien die Mutterwünsche daher gerichtet Dich gekräftigt zu sehen, daß Du das von Gott Dir verliehene Talent rumreichst für die Zukunft, wie Segen bringend für Dich weiter verfolgen mögest! - Wohl steht die Kunst so hoch, daß das zeitliche darüber in den Hintergrund gerückt wird. Jedoch wird Deine Vernunft Dich doch aufmerksam machen, daß man durch einseitige Zurückhaltung sich dem Vortheil entzieht, der einem von Rechtswegen gebührt. In Deinem Interesse liegt es also, wenn Du von nun an die Zügel stramm anziehst, damit man wieder ein größeres Werk von Dir zu begrüßen hat. Die vorübergehenden schlechten Zeiten dürfen Dich nicht berühren. Es gibt noch wahre Kunstliebhaber, die auch gute Werke bezahlen können. Man muß seine Jahre benützen, denn die Zukunft kann uns derart heimsuchen, daß wir unsere Kräfte nicht nach unserem Willen gebrauchen können. Daher ist es gut, Letzteres in Erwägung zu ziehen. - Mögen die gut gemeinten Ratschlüsse guten Anklang bei Dir finden und zur Ausführung kommen.

- In der Erwartung, daß Du in Zukunft nicht so karg mit Deinen Schreiben an mich sein wirst, verbleibe ich mit herzlicher Begrüßung all der Meinigen

Deine treue Mutter.