Endlich mal ein zaghafter Ansatz, die Schuld von den Frauen zu nehmen, für die schwachen Geburtenraten verantwortlich zu sein: Karriere wollen sie machen, ihre Ausbildung in Geld verwandeln und Spaß haben. Offen wird über eine Sonderabgabe für Kinderlose diskutiert. Die meisten kinderlosen Frauen, die ich kenne - selbst Jahrgang 68 -, würden sofort ihre Karrieren für zwei oder drei Jahre aufgeben, um Kinder zu haben, wenn da nicht die Vorurteile von Arbeitgebern wären, die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten und die verantwortungsscheuen Männer. Sollte es je eine Kinderlosenabgabe geben, bekomme ich dann mildernde Umstände, weil ich keinen Zeuger finden konnte, der auch Verantwortung übernehmen wollte? Einstweilen bleibt mir nicht viel übrig, als den Kinderwunsch zu unterdrücken und meine Karriere voranzutreiben, wie die meisten anderen kinderlosen Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Wir sind attraktiv, intelligent, eigenständig und finanziell unabhängig: Ein weiteres Hindernis auf dem Weg, eine Familie zu gründen. Denn solche Frauen sind für den deutschen Mann nur schwer zu verkraften.

Simone Vogt, Frankfurt am Main