Natürlich wollen meisten Organisationen mit Gewalt nichts zu tun haben, und in diesen Zeiten erst recht nicht: Sie erwarten "zehntausende" friedlicher Demonstranten in New York. Die Gruppe "Another World is Possible" zeigt auf ihrer Internet-Homepage erst einmal dicke Solidaritätsbekundungen für die Opfer des 11. September an, bevor sie etwas weiter unten zu "Teach-Ins und Protesten gegen das Weltwirtschaftsforum" aufruft. Die Gruppierung "Public Eye on Davos" plant einen großen WEF-Gegenkongress im United Nations Church Center und will dort auch die Themen "Religionsübergreifende Sichtweisen zur Globalisierung" und "Sicherheitsfragen" debattieren.

Doch nicht alle Demonstranten haben einen so nachdenklichen Zugang. Schließlich ist Weltwirtschaftsforum "die Weltkonferenz, die die wirtschaftliche, politische und unternehmerische Agenda der nächsten Jahre definiert", wie es Protestierer-in-spe in diesen Tagen auf Flugblättern lernen - der "Dinnerclub für die herrschenden Klassen", die "Internationale des Kapitals". Und außerdem tagt der kapitalistische Feind ausgerechnet im Waldorf Astoria, wo die Präsidentensuite 6500 Dollar pro Nacht kostet. So finden sich zwischen den Zeilen finden sich immer wieder Aufrufe auch zu gewaltsamen Aktionen - mindestens zu Menschenblockaden, die den Zugang zum Waldorf Astoria verhindern. Jeden Samstag treffen sich in der First Avenue interessierte Protestierer zum "All Anarchist Meeting", und Sympathisanten der mexikanischen Zapatisten plakatieren in diesen Tagen einen schlichten Slogan auf englisch und spanisch: "Greift das Weltwirtschaftsforum an!"

So macht die New Yorker Polizei jetzt schon Zehntausende Truppen mobil, poliert nochmal schnell die Anti-Demo-Taktiken auf und will womöglich den ganzen Verkehr rings um das Waldorf Astoria einfrieren. Der Chef der New Yorker Polizei, Rayond Kelly, ließ jedenfalls mitteilen: "Wir sind besser als jede andere Stadt auf solche Proteste vorbereitet".

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