Es gibt noch immer Orte in Berlin, die die Geschichte dieser Stadt auf ein paar Quadratmetern erzählen - und es sind nicht nur die letzten Mauerabschnitte. Wäre die Hauptstadt ein Roman, müsste das alte Botschaftsviertel in Pankow wohl als das melancholischste Kapitel herhalten.

Pankow war der Renommierbezirk der DDR, das Zuhause der Ostberliner Elite, der Besserbetuchten. Und Pankow war das Botschaftsviertel der DDR.

Die Botschaften sind immer noch da, und es mutet seltsam an, dass die meisten so gut wie unberührt sind. Nichts ist zu spüren vom neuen Berlin, den Fassaden der Macht und des Geldes im Spreebogen, am Potdamer Platz oder am Pariser Platz. Doch obwohl längst kein Sonderzug mehr nach Pankow fährt, wird dort immer noch politische Macht repräsentiert - wenn auch nur ein kleines bisschen.

Wer sich nördlich der Bornholmer Straße ins Karree zwischen Stavanger Straße, Gotlandstraße und Ibsenstraße verirrt, dem werden am Straßenrand zuerst ein paar bunte Flaggen ins Auge fallen. Ein Adler mit Rinderkopf im Bauch und nie gesehene Farbkombinationen: blau, grün, gelb. Die Fahnenstangen rosten, und die meisten Zäune könnten einen Generalanstrich vertragen.

Dahinter, zehn, zwanzig Meter versetzt, stehen die Gebäude. Putz bröckelt von ihren Wänden. Die Fenster sind alt, die Gardinen auch. Doch ein paar Baugerüste versprechen Besserung.

Die Anlage hat den Charme einer längst vergangenen Zeit, und trotzdem: Es sind die offiziellen Vertretungen souveräner, moderner Staaten. Die letzten Botschaften von Pankow.

In den sechziger Jahren entwarf der DDR-Architekt Eckart Schmidt mit den dreigeschossigen, genormten Würfelbauten den so genannten Typ Pankow: Botschaftsgebäude für die Schweiz, Belgien oder Indonesien. Damals waren diese Dependancen schick - und schnörkellose Sachlichkeit galt auf höchster Ebene als Muss.