Es waren Hunderte, die damals flüchteten. Schon 1933, gleich nach der Machtergreifung der Nazis, wurde das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete Bauhaus aufgelöst wie auch die Preußische Akademie der Künste. Gropius ging nach Harvard, Mies van der Rohe nach Chicago zum Institute for Technology, Erich Mendelssohn fand einen Platz in Berkeley.

Aber im Bauhaus lehrten ja nicht nur Architekten, sondern auch bildende Künstler: Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinski - sie alle verließen Deutschland, viele von ihnen unter Lebensgefahr. Rudolf Olden, Sekretär des deutschen PEN-Clubs, war als Anwalt Verteidiger von Carl von Ossietzky. Er hatte den Mut gehabt, noch im Februar 1933 in Berlin einen Kongress zu organisieren mit dem Thema "Das freie Wort". Als er zufällig bei einem Freund war, erfuhr er, dass sowohl seine Wohnung wie sein Büro von der Gestapo umstellt seien. Stehenden Fußes fasste er den Entschluss, sofort zu verschwinden. Als Urlauber getarnt, flüchtete er auf Skiern über die Berge in die CSSR.

Insgesamt sind mehr als eine halbe Million Menschen ins Exil gegangen, darunter etwa 2000 Künstler aller Gattungen, Schriftsteller, Musiker, Wissenschaftler, Theater- und Filmleute - einen solchen Aderlass hatte es in der Welt noch nicht gegeben.

Schon sehr früh überlegte sich Hubertus Prinz zu Löwenstein, der Initiator der Akademie im Exil, zusammen mit Zühlsdorff und ein paar anderen Freunden, wie man diesem Strom genialer, mittelloser Menschen, die den wahren Geist der Freiheit verkörperten, eine neue Existenz schaffen könne. Sie organisierten viele kleine Gruppen, sammelten Geld, spannten ein Netzwerk über alle Kontinente und eröffneten schließlich die Akademie mit Sitz in New York.

Der Schriftsteller Peter de Mendelssohn hatte die erste Werbung von Mitgliedern in Europa übernommen - da finden wir denn alle Namen, die das deutsche Kultur- und Geistesleben charakterisiert haben und die nun - eine geistige Wüste hinter sich lassend - ins Ungewisse aufbrachen: Thomas Mann, Martin Buber, Max Reinhardt, Alfred Döblin, Ernst Toller, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, Joseph Roth, Bruno Walter, Franz Werfel, Arnold Zweig, Stefan Zweig, Karl Barth, Albert Einstein, Hermann Kantorowicz ... Peter de Mendelssohn ging schließlich nach London, wurde britischer Staatsbürger und kam 1945 als Presseoffizier nach Deutschland zurück. Er war übrigens an der Gründung der Süddeutschen Zeitung und des Tagesspiegels beteiligt.

Die Deutsche Akademie im Exil hatte - ihrem Namen entsprechend - zwei Abteilungen: Für die der Künste war Thomas Mann Präsident, für die Welt der Wissenschaft Sigmund Freud.

Thomas Mann hat lange gezögert, einen endgültigen Entschluss zu fassen. Zu dem kam es - wie Zühlsdorff schreibt - erst 1936, als der Feuilleton-Chef der Neuen Zürcher Zeitung, Eduard Korrodi, die Exilliteratur als "Produkt jüdischer Autoren" bezeichnete und vom "Ghetto-Wahnsinn" sprach. Jetzt war Thomas Mann endlich zum Bruch mit Deutschland und zur Teilnahme an der Akademie bereit.