In Russland beginne jetzt, so erklärte er, der Aufschwung, das Schlimmste sei überstanden. Die zweitausend Firmen und Gesellschaften, die auf dem russischen Markt aktiv sind, seien zufrieden; und das Bruttosozialprodukt sei in den ersten vier Monaten dieses Jahres um fast acht Prozent gestiegen - im vorigen waren es 3,2 Prozent.

Sehr hart reagierte Putin auf Fragen nach dem Raketensystem NMD, das Washington plant. Fast drohend malte er die Folgen aus, zu denen ein Bruch im ABM-System von 1972 führen würde: Unvermeidlich sei der Abbruch aller Abrüstungsvereinbarungen und jeglicher Stabilität.

"Während meines Berlin-Besuches möchte ich über unsere Initiative diskutieren, ein allgemeines System zur Raketenabwehr zu schaffen", erklärte Putin, und er setzte hinzu, auf diese Weise könne die Sicherheit aller europäischen Staaten gewährleistet werden. Man sollte meinen, dass der Westen diesen Hinweis voller Genugtuung ergreifen würde, denn schließlich wissen doch alle Europäer und wohl auch die Amerikaner, dass es Sicherheit nur mit und nicht gegen Russland gibt.

Aber Madeleine Albright reagierte ganz anders. Sie wand sich hin und her, gab keine klare Antwort und meinte, solche Vorschläge der Russen habe sie schon früher gehört. Was sie interessant finde, sei, dass Putin offenbar anerkenne, dass von Nordkorea und dem Iran tatsächlich eine Bedrohung ausgeht. Hier aber irrt die Außenministerin: Wladimir Putin hat ganz im Gegenteil in seinem Interview gesagt, aufgrund einer Expertenanalyse sei man in Moskau zu der Überzeugung gelangt, dass die Raketenbedrohung vonseiten der "Problemstaaten" weder heute noch in absehbarer Zukunft existiert.

Überaus streng reagierte Putin bei dem Stichwort Nato. Russland empfinde eine weitere Vergrößerung der Nato als feindlichen Akt: "Das Heraustreten der Nato hinter die Grenzen der ehemaligen UdSSR würde sehr ernste Folgen für das Sicherheitssystem auf dem Kontinent haben", erklärte der russische Präsident und erwähnte in diesem Zusammenhang Lettland, Litauen und Estland. Sicher gibt es auch hier, wie bei jedem Problem, die Möglichkeit einer Lösung. Aber dazu braucht es Elastizität und Fantasie.