Doch die Protagonisten, denen es um die touristische Nutzung geht, wußten Rat. Sie wandten sich an das Institut für Zeitgeschichte in München, und die Gelehrten sagten: "Nein, gerade das Gegenteil kann man erreichen, wenn dort ein großes Dokumentationszentrum errichtet wird, in dem die Geschichte Adolf Hitlersvon Anbeginn mit einprägsamen Photos und Dokumenten dargestellt wird. "Mit Photos? Auch die, auf denen er Kinder tätschelt, mit seinem Lieblingshund spielt und mit Eva Braun tändelt? Ja, auch die. Durch den Kontrast zu den späteren fluchwürdigen Gewalttaten prägten sich die letzteren viel intensiver ein, und darauf komme es an.

Die Besucher sollten doch etwas lernen. Die Dokumentation werde der historischen Aufklärung dienen.Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums hat die geplante Dokumentationsstelleals "skandalös" verurteilt, weil sie das Unrecht des "Dritten Reichs" verharmlose.

Das zuständige bayerische Finanzministerium wies diese Sicht als "unsachlich" und "unberechtigt" zurück.Die Sachverständigen, die die Dokumentation propagieren und die allen Ernstes glauben, sie würde zu einer Entmythologisierung Hitlers und der Nazis beitragen,sind im Grunde genauso gefährlich wie jene vielleicht gutwilligen Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiativen, die eine Gedenkstätte oder ein Mahnmal am Obersalzberg errichten wollten.

Denn das ist doch wohl klar: Die Dokumentationszentrale wird die Ewiggestrigenanziehen und den Platz für sie zur Weihestätte werden lassen. Übrigens wird das Gebäude auf den Fundamenten des Nazi-Gästehauses "Hoher Göll"errichtet, in dem Hitler seine prominenten Besucher unterbrachte. Der Gesamtkomplex umfaßt 100 Hektar, der Wert, so ist zu hören, wird auf über 900 Millionen Mark geschätzt.Lange Zeit ist mehr oder weniger unter Ausschluß der Öffentlichkeit über dieses Projekt diskutiert worden - auch der Bau der Dokumentationshalle wurde nicht, wie es normalerweise üblich ist, ausgeschrieben, sondern einfach in Auftrag gegeben.

Inzwischen hat ein Gremium aus Vertretern von Wissenschaft, Ministerien und kommunalen Körperschaften beschlossen, mit dem Bau zu beginnen, der Ende 1998 fertiggestellt sein soll.Nun ist ein Einwand sicherlich ernst zu nehmen: Man soll nicht versuchen, die Geschichte nachträglich zu korrigieren, man muß die Meilensteine am Weg zum verbrecherischen Tun stehenlassen; sie sind die eigentlichen "Male", die uns mahnen; aber ein Mahnmal auf dem Rummelplatz, das kann doch nicht sein. Gerade an dieser Stelle, die sich wie keine andere zur heimlichen Kultstätte eignet, darf die Dokumentation nicht zur Schau gestellt werden.Merkwürdig, Hitler hat stets versucht, seine Verbrechen moralisch zu verkleiden. Diejenigen, die mit schlechtem Gewissen nach Gewinn streben, verbrämen ihr Streben mit wissenschaftlichen Aspekten.