Damit die Bahncard zum Autoschlüssel werden kann, führt der Weg zunächst ins Büro eines der angeschlossenen Car-Sharing-Unternehmen, zum Beispiel im Frankfurter Hauptbahnhof. Wer dort Bahncard 2. Klasse, Personalausweis und Führerschein vorlegt sowie 40 Euro Bearbeitungsgebühr entrichtet, erhält nach zehn Minuten ein graues Plastikkärtchen mit der Aufschrift "DB Car-Sharing" und einem Hinweis auf die kostenlose Telefonnummer der Reservierungszentrale. Dort - oder auch im Internet - kann man rund um die Uhr ein Auto buchen, zum Beispiel den Smart am Berliner S-Bahnhof Jannowitzbrücke.

Eine Spritztour durch die Hauptstadt kostet dann vier Euro pro Stunde plus acht Cent Spritgeld je Kilometer. Ab zehn Stunden Nutzungsdauer gibt es Mengenrabatt, ein ganzer Tag kostet 40, eine Woche 200 Euro. Für einen etwas geräumigeren Mittelklassewagen zahlt man fünf Euro die Stunde, für die Komfortklasse sechs Euro. Wer unterwegs tanken muss, tut das bargeldlos mit einer Tankkarte, die in jedem Auto bereit liegt. Ist die gebuchte Zeit abgelaufen, kann man telefonisch verlängern oder bringt das Auto zu seinem Standort zurück. Ein Bordcomputer meldet dann den Nutzer und die gefahrene Strecke an die Zentrale, abgerechnet wird einmal im Monat.

Das ist so einfach, wie es klingt und deshalb eine große Verbesserung im Markt der Auto-Teiler. Denn der war bislang in über 80 kleine und kleinste Unternehmen zersplittert, von denen fast jedes sein eigenes Tarif- und Buchungssystem hatte. Das bleibt zwar vorerst auch so, für die Kunden des DB Car-Sharing werden die deutschen Teil-Autos jedoch Stück für Stück mit einer zusätzlichen Bordcomputertechnik ausgestattet, die bundesweit einheitlich aussieht und funktioniert. Einige Millionen Euro hat die Bahn dafür bereit gestellt, genauer möchte sie das nicht sagen.

Noch zeigt sich der Erfolg nicht in Zahlen. Seit dem Start im Dezember 2001 hat DB Car-Sharing erst 200 Kunden gewonnen. Doch das wird sich wohl ändern, wenn erst einmal alle drei Millionen Bahncardinhaber über die neue Möglichkeit informiert sind. Marktstudien gehen von 2,45 Millionen potenziellen Kunden eines gut organisierten Zug-Auto-Kombinationsangebotes in Deutschland aus. Die Bahn strebt mittelfristig 400 000 Kunden für ihren neuen Service an. "Zehn Prozent davon wollen wir in den ersten drei Jahren erreichen", sagt Andreas Knie, bei der Bahn zuständig für das Car-Sharing-Angebot. Als Zielgruppe hat er vor allem Geschäftsreisende, Städtetouristen und Fernpendler im Visier.

Vorbild ist die kleine Schweiz, in der über 45 000 Inhaber einer landesweit einheitlichen Mobilitätskarte schon heute an 250 Bahnhöfen direkt in ein Teil-Auto umsteigen können. Dort haben sich alle Car-Sharing-Unternehmen bereits 1997 zu einer einzigen Genossenschaft zusammengeschlossen und sind dann an die Bahn herangetreten. In Deutschland geschieht es nun umgekehrt. "Dass ausgerechnet die Deutsche Bahn AG hier Vorreiter wird, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen", meint Andreas Knie. Schließlich habe es bei den "Bahnleuten" einiges Umdenken erfordert, das Auto nicht als Konkurrenten, sondern als Ergänzung zum Zug zu begreifen - und die Bahn AG damit als einen umfassenden "Mobilitätsdienstleister".

Tatsächlich steckt in jeder Bahncard inzwischen nicht nur ein Auto-, sondern auch ein Fahrradschlüssel. Damit lassen sich in München - und bald auch in anderen deutschen Innenstädten - die silbernen Räder mit dem roten Bahnlogo benutzen, die an großen Straßenkreuzungen auf Mobilitätshungrige warten.

Weitere Informationen zu DB Car-Sharing unter Tel. 0180/128 28 28 oder im Internet unter www.dbcarsharing.de